In den vergangenen Jahren sind Patente zunehmend aufgrund ihrer strategischen Bedeutung in Technologiemärkten in den Fokus der Betrachtung gelangt. Tatsächlich haben Unternehmen in immer stärkerem Maße zu einem Umfeld beigetragen, das durch zahlreiche, aber marginale Erfindungen, sich überlagernde Ansprüche und multiple Patenteigentümer für komplementäre Technologien sowie durch "Patentzäune" bei substitutiven Technologien, die von einem einzelnen Unternehmen oder einer Gruppe von Unternehmen gehalten werden, gekennzeichnet ist. Veröffentlichungen zu diesem Thema zeigen, dass sowohl die Fragmentierung der intellektuellen Eigentumsrechte also auch die drohende Blockade der Patentanmeldungen eines Unternehmens durch andere Patente einerseits zu steigenden Patentanmeldungen, andererseits auch zu einer Einlizenzierung von Technologie führen, um Behinderungen durch opportunistisches Verhalten von Eigentümern kritischer Patente zu vermeiden. In diesem Artikel argumentieren wir, dass Unternehmen Technologie sowohl ein- als auch auslizenzieren, wenn ihr Umfeld von einem intensiven Technologiewettbewerb gekennzeichnet ist. Diese Beziehung sollte bei komplexen Technologien besonders ausgeprägt sein, da diese eine höhere Patentdichte als diskrete Technologien aufweisen. Zu diesem Zweck entwickeln wir ein neues Maß für die Blockadewahrscheinlichkeit einer durchschnittlichen Patentanmeldung eines Unternehmens in Abhängigkeit seines bestehenden Technologieportfolios. Unsere Ergebnisse auf Grundlage eines Datensatzes von mehr als 400 deutschen Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe zeigen, dass Unternehmen tatsächlich Technologie ein- und auslizenzieren, wenn der Technologiewettbewerb hoch ist, d.h. eine hohe Blockadewahrscheinlichkeit von Patentanmeldungen besteht. Beim Vergleich von Firmen in komplexen und diskreten Industriezweigen kommen wir zu dem Schluss, dass die Blockadewahrscheinlichkeit nur die Lizenzierungsaktivitäten von Unternehmen in komplexen Industriezweigen beeinflusst, während sie auf Firmen in diskreten Industriezweigen keine Wirkung hat. Dieses Ergebnis unterstreicht die These, dass Lizenzen dazu beitragen können, "Hold-Up"-Probleme in Technologiemärkten zu lindern. Darüber hinaus beachten wir mögliche Rückkopplungseffekte der Lizenzierungsaktivitäten auf die interne Forschung und Entwicklung (FuE).

Grimpe, Christoph und Katrin Hussinger (2009), Inventions under Siege? The Impact of Technology Competition on Licensing, ZEW Discussion Paper No. 09-039, Mannheim, erschienen in: Academy of Management. Download

Schlagworte

Licensing, blocking patents, discrete and complex technologies, technology competition