Die vorliegende Dokumentation fasst wesentliche Ergebnisse einer breit angelegten Umfrage bei Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland zu deren Interaktionen mit der Wirtschaft zusammen. Befragt wurden über 850 natur- und ingenieurwis-senschaftlichen Forschungseinheiten an allgemeinen Universitäten, Technische Universitäten, Fachhochschulen, der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Wissenschaftsgemeinschaft G.W. Leibniz. Zum ersten Mal wurden in methodisch vergleichbarer Form einige wichtige Aspekte des Wissens- und Technologietransfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aus Sicht der öffentlichen Hochschul- und Forschungslandschaft erfasst. Dadurch können die verschiedenen Institutionen der öffentlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland im Wissens- und Technologietransfers hinsichtlich der Intensität der Interaktionen, der genutzten Transferformen sowie die Hemmnisse und Problemfelder beim Wissens- und Technologietransfer charakterisiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die große institutionelle Vielfalt in der öffentlichen Forschungslandschaft auch innerhalb der Natur- und Ingenieurwissenschaften mit einer ausgeprägten Spezialisierung auf unterschiedliche Funktionen und Schwerpunkte im Wissens- und Technologietransfer einher geht. Jene Institutionen, die stark anwendungsorientiert in wirtschaftsnahen Feldern forschen und in ihrer Finanzierung auf externe Quellen außerhalb der staatlichen Grundfinanzierung orientiert sind (wie die Fraunhofer-Gesellschaft und zum Teil auch Institute an Technischen Universitäten), zeigen ein deutlich höheres Interaktionsniveau mit der Wirtschaft im Vergleich zu grundlagenorientierten Einrichtungen mit hohen Basisfinanzierungsanteilen (wie viele Max-Planck-Institute, Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und Institute an allgemeinen Universitäten) oder stark auf Aus- und Weiterbildung orientierten Einrichtungen (wie die Fachhochschulen und Teile der allgemeinen Universitäten). Dieses Muster entspricht auch der Vielfalt der Aufgaben, die der öffentlichen Forschung in einer Volkswirtschaft zukommen. Innerhalb der einzelnen Einrichtungstypen ist oft eine große Spannbreite zwischen stark transferorientierten Forschungseinheiten und solchen mit wenig oder keinen Interaktionen festzustellen. Dies trifft in besonderem Maß auf die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die allgemeinen Universitäten zu. Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen nutzen für ihre Kontakte zu Unternehmen eine breite Palette an Interaktionsformen. Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft findet in Deutschland über viele unterschiedliche Kanäle statt, von denen formale Forschungskooperationen, also Drittmittelgelder aus der Wirtschaft, nur einen Teilaspekt darstellen. Informelle Formen des Wissensaustauschs, aber auch die Weitergabe von Wissen und Technologien über Publikationen spielen - aus Sicht der Wissenschaft - eine zum Teil ebenso große Rolle. Der Wissenstransfer über Köpfe, d.h. der Wechsel von Wissenschaftlern aus der öffentlichen Forschung in Unternehmen, ist an allen untersuchten Einrichtungstypen ein wichtiger Transferkanal. Dies gilt für andwendungsnahe Forschungseinheiten ebenso wie für langfristig-grundlagenorientierte. Unternehmensgründungen durch Wissenschaftler sind heute noch von geringer Bedeutung für den Wissens- und Technologietransfer. Deutlich weniger als 10% der ausscheidenden wissenschaftlichen Mitarbeiter gründen ein Unternehmen. An allen Einrichtungstypen erwarten die befragten Forschungseinheiten in den nächsten Jahren jedoch eine Zunahme der Bedeutung dieses Transferkanals. Die Interaktionen der Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands mit Unternehmen haben ein hohes Niveau erreicht, das auch im europäischen Vergleich bemerkenswert ist. Trotzdem existieren verschiedenen Hemmnisse, die vor allem transferaktive Forschungseinheiten in der Zusammenarbeit mit Unternehmen behindern. Als Haupthemmnisse werden einerseits Ressourcenknappheit (Mangel an geeignetem Fachpersonal, Mangel an Finanzierung, hohe Zeitbelastung durch Lehre und Verwaltung) und andererseits eine fehlende Aufgeschlossenheit der Unternehmen genannt.