Wissen, das von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen generiert wird, trägt in vielerlei Hinsicht zu Wachstum und technologischem Wandel bei. Forschungsarbeiten, die sich mit der Frage nach dem effizienten Transfer von Forschungsergebnissen aus der öffentlichen Forschung zu Unternehmen beschäftigen, fokussieren dabei insbesondere auf formelle Mechanismen des Technologietransfers, das heißt solche, bei denen ein Patent oder eine Lizenz erworben werden. Nur wenige Autoren haben sich bislang mit informellen Mechanismen des technologietransfers beschäftigt. Informeller technologietransfer bezieht sich dabei im Wesentlichen auf die Interaktionen der mit ihm befassten Agenten, das heißt der Hochschulwissenschaftler und des Personals in Unternehmen. Geht es im Fall von formellem technologietransfer in der Regel darum, ein Patent oder eine Lizenz zur Nutzung einer bestimmten Technologie zu transferieren, besteht diese Erwartung im Fall des informellen Technologietransfers nicht. Vielmehr geht es um einen Austausch auf informeller Ebene, beispielsweise durch Kontakte auf Konferenzen, gemeinsame Publikationen, Beratung oder andere informelle Kontakte, Gespräche und Treffen. Bisherige Studien haben jedoch gezeigt, dass viele Hochschulwissenschaftler in den USA ihrer Universität keinen Zugriff auf ihre Erfindungen gewähren, obwohl sie rechtlich dazu verpflichtet wären. Dies regelt seit dem Jahr 1980 der Bayh-Dole-Act, während in Deutschland das sogenannte Hochschullehrerprivileg erst im Jahre 2002 wegfiel und nun auch in Deutschland Hochschulangehörige die Eigentums- und Verwertungsrechte an Erfindungen ihrer Einrichtung – wenn auch gegen Entgelt – abtreten müssen. Unter der Annahme, dass Hochschulen sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantik ein Interesse daran haben, Einkünfte aus der erfinderischen Tätigkeit ihrer Angestellten zu erzielen, verfolgt der vorliegende Beitrag das Ziel, einen genaueren Blick auf die institutionellen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland zu werfen, um gegebenenfalls Unterschiede in der Neigung von Hochschulwissenschaftlern zu identifizieren, ihr Wissen auf informellem Wege an Unternehmen zu transferieren. Unser Beitrag baut dabei auf einer neueren Studie von Link et al. (2007) auf, die das (informelle) technologietransferverhalten von Wissenschaftlern in den USA untersuchen. Darüber hinaus untersuchen wir den Einfluss der Produktivität von Wissenschaftlern und des institutionellen Umfelds. Basierend auf einer Stichprobe von über 800 deutschen Wissenschaftlern zeigen unsere Ergebnisse ähnliche Zusammenhänge wie in den USA: Die Produktivität der Wissenschaftler ist wesentlicher Erklärungsfaktor, allerdings zählen dabei vor allem Patentanmeldungen im Gegensatz zu Publikationen. Daraus ergibt sich, dass Hochschulwissenschaftler, wie alle ökonomisch handelnden Akteure, auf Anreize reagieren. Solange Universitäten daher nicht ihre Anreizstrukturen ändern, wird technologisches Wissen die Universität weiterhin „durch die Hintertür“ verlassen.

Grimpe, Christoph und Heide Fier (2009), Informal University Technology Transfer: A Comparison Between the United States and Germany, ZEW Discussion Paper No. 09-033, Mannheim, erschienen in: Journal of Technology Transfer. Download

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informal university technology transfer, cross-country comparison