Ökonomen erforschen die intergenerationale Transmission von Fertigkeiten, Kompetenzen und Kenntnissen. Unter anderem wurde bereits die Transmission von Intelligenz, Risikopräferenzen, Vertrauen, Bildungsabschlüssen und den Arbeitsverdiensten untersucht. Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen den Zeitpräferenzen von Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren und ihren Müttern, basierend auf experimentellen Messungen von Geduld.

Das Verhalten von Kindern und ihren Müttern wird in einem Experiment beobachtet, bei dem sich die Kinder zwischen einer Belohnung, welche sofort erhältlich ist und einer größeren Belohnung, auf die sie warten müssen, entscheiden können. Die Kinder erhalten, wenn sie warten, zwei Tüten Gummibärchen. Wenn sie nicht warten, erhalten sie eine Tüte Gummibärchen. Das Experiment wurde in der Wohnung der Familie durchgeführt. Ein zweites Experiment diente dazu, die Zeitpräferenzen der Mütter zu erfassen.

Die Fähigkeit zum Aufschub von Belohnungen gilt als wichtige Vorstufe für die Ausbildung der Handlungskontrolle, die wiederum eine Grundlage für den Schul- und Arbeitsmarkterfolg und die Integration in die Gesellschaft ist. Aus ökonomischer Sicht haben Zeitpräferenzen eine herausgehobene Bedeutung für alle Investitions- und Sparentscheidungen, insbesondere auch für die Investitionen in Bildung und das Humankapital.

Aus Sicht der Bildungspolitik ist beispielsweise die Frage von erheblicher Bedeutung, ob und ggf. in welcher Entwicklungsphase man die Ausdauer und Geduld von Kindern und damit das Leistungsvermögen verbessern kann. Im Kontext dieser Diskussion wird in der Forschung vermehrt das Verhalten im Vorschulalter untersucht, da grundlegende kognitive und nicht-kognitive Fähigkeiten im Kindesalter den Schulerfolg prognostizieren. Die vorliegende Studie möchte dazu beitragen, eine wichtige Forschungslücke zu schließen, da über die Determinanten von Zeitpräferenzen von Kindern im Vorschulalter und deren Müttern bisher wenig Evidenz vorliegt.

Zusammenfassend bestätigt die Studie, dass die Geduld von Kindern bereits im Vorschulalter eine signifikante Varianz aufweist. Während 78% der Kinder in der verwendeten Stichprobe als geduldig erscheinen, sind 22% der Kinder in diesem Alter aufgrund des experimentellen Tests eher ungeduldig. Unsere multivariaten Ergebnisse zeigen, dass die Geduld von Mutter und Kind signifikant zusammenhängen, auch wenn für weitere Eigenschaften des Kindes und der Mutter kontrolliert wird. Eine geduldigere Mutter trägt dazu bei, dass ihr Kind bereits im Vorschulalter ebenfalls geduldiger wird.

Kosse, Fabian und Friedhelm Pfeiffer (2012), Impatience Among Preschool Children and Their Mothers, ZEW Discussion Paper No. 12-001, Mannheim. Download

Autoren

Kosse, Fabian
Pfeiffer, Friedhelm

Schlagworte

Time preferences, impatience, intergenerational transmission, field experiments.