Dieser Beitrag präsentiert ein neues Mikrosimulationsmodell, das ZEW TaxCoMM, welches für auf Mikrodaten basierende Analysen der Auswirkungen von Unternehmenssteuerreformen entwickelt wurde. ZEW TaxCoMM simuliert sowohl die Verteilung der Belastungswirkungen einer Reform als auch ihre steuerlichen Aufkommenswirkungen. In diesem Papier wird ZEW TaxCoMM eingesetzt, um die Auswirkungen der deutschen Unternehmenssteuerreform 2008 zu bewerten. Die deutsche Unternehmenssteuerreform des Jahres 2008 verbindet eine deutliche Senkung der steuerlichen Tarifbelastung von Unternehmen mit einer Verbreiterung der Bemessungsgrundlagen der Körperschaftsteuer sowie der lokalen Gewerbesteuer. Die Reform folgt damit einem gängigen Muster, dem sog. tax rate cut cum base broadening. Die in diesem Papier ausgewiesenen Reformkonsequenzen in Abhängigkeit struktureller Unternehmensmerkmale stehen daher exemplarisch für Reformen in anderen Ländern, die einem ähnlichen Muster folgen. Insbesondere angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verwerfungen sind Fragen nach einer sinnhaften steuerlichen Belastung heterogener Unternehmen in den Fokus der wissenschaftlichen und politischen Debatte gerückt. Im Ergebnis zeigen die Simulationen auf Basis des ZEW TaxCoMM, dass weniger als 5% aller Kapitalgesellschaften in Deutschland nicht von der Unternehmenssteuerreform 2008 profitiert haben. Die durchschnittliche jährliche Entlastung, gemessen am durchschnittlichen Rückgang der effektiven Steuerbelastung des Cash Flows, beträgt 2,8 Prozentpunkte für Großunternehmen und 6 Prozentpunkte für kleine Unternehmen. Kleine Firmen haben damit weitaus deutlicher von der Reform profitiert. Mit Blick auf die Aufkommenswirkungen der Reform ermittelt ZEW TaxCoMM einen reformbedingten Rückgang der Steuereinnahmen in Höhe von 9,8 Milliarden Euro. Der Rückgang der Steuereinnahmen betrifft vor allem die Körperschaftsteuer. Die Gewerbesteuer gewinnt somit fiskalisch an Bedeutung. Darüber hinaus zeigt die Simulation, dass Unternehmen mit geringer Rentabilität, hohem Schuldenstand oder hoher Kapitalintensität am wenigsten von der Reform profitieren. Dies ist eine Folge der reformgetriebenen Abkopplung der steuerlichen Bemessungsgrundlage von den Unternehmensgewinnen. Dies bedeutet eine zusätzliche Gefährdung der Existenz von Unternehmen in Zeiten eines massiven wirtschaftlichen Abschwungs. In der Tat hat die Politik auf diese Fehlentwicklung bereits reagiert. Zahlreiche Regelungen, die mit einer Besteuerung der Unternehmenssubstanz anstelle des Unternehmensgewinns einhergingen, wurden korrigiert.