Ein Mismatch zwischen dem Angebot an Fähigkeiten durch die Erwerbsbevölkerung und der Nachfrage nach Fähigkeiten am Arbeitsmarkt steht im Fokus der politischen Diskussion in europäischen Ländern. Auf der einen Seite wird Bildung, insbesondere auch tertiäre Bildung, in Deutschland und anderen europäischen Ländern stark subventioniert. Angesichts staatlicher Budgetbeschränkungen stellt sich dabei die Frage, ob durch hohe Investitionen in das Bildungswesen ein Überangebot an hochqualifizierten Arbeitnehmern verursacht wird. Auf der anderen Seite beklagen Unternehmen, dass es zunehmend schwieriger wird, ausreichend qualifizierte Arbeitnehmer zu finden um vakante Stellen zu besetzen. Mit welcher Effizienz der tertiäre Bildungssektor adäquat qualifizierte Absolventen für den Arbeitsmarkt hervorbringt, ist demnach für verschiedene Wirtschaftsakteure von Bedeutung.

In der vorliegenden Studie werden für den Mismatch zwischen Beschäftigung und Arbeitnehmer mögliche Erklärungen und Implikationen aus konzeptioneller Sicht untersucht. Wichtig ist hierbei, relevante Perspektiven bei der Definition von Mismatch zu berücksichtigen. Aus Arbeitgebersicht und gesamtwirtschaftlicher Perspektive hängt es von der Produktivität ab, ob die Passung zwischen Arbeitnehmer und Beschäftigung optimal ist. Dagegen ist für Arbeitnehmer der Nutzen entscheidend, der mit der Tätigkeit verbunden ist. In der empirischen Literatur werden in der Regel zwei Konzepte verwendet, um einen Mismatch zu identifizieren. Ein "Qualification Mismatch" liegt vor, wenn eine Beschäftigung nicht den formalen Bildungsabschluss erfordert, den ein Arbeitnehmer erworben hat. Besitzt ein Arbeitnehmer ein anderes Niveau an Fähigkeiten als es seine Beschäftigung erfordert, liegt ein "Skill Mismatch" vor. Diese Studie bietet einen Überblick über Maße und empirische Ergebnisse bezüglich dieser zwei Konzepte.

Im empirischen Teil der Studie untersuchen wir anhand von drei Datensätzen, wie häufig deutsche Hochschulabsolventen von Mismatch betroffen sind und welche direkten Konsequenzen damit verbunden sind. Das Aufkommen von Mismatch variiert stark in Abhängigkeit von Studienfach, Art der Hochschule und Geschlecht. Um für Absolventen Überschüsse und Defizite in berufsrelevanten Kompetenzen genauer zu erfassen, vergleichen wir spezifische Berufsanforderungen mit den Fähigkeiten von Absolventen.

Zusätzlich untersuchen wir, inwiefern Unterschiede zwischen adäquater und inadäquater Beschäftigung bestehen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass adäquat beschäftigte Absolventen Berufe ausüben, die ein höheres Maß an Komplexität und Kreativität aufweisen und gleichzeitig weniger monotone Tätigkeiten umfassen als Berufe von inadäquat beschäftigten Absolventen. Für Absolventen, die gleichzeitig von Qualification Mismatch und Skill Mismatch betroffen sind, sind diese Unterschiede besonders ausgeprägt. Für Kausalanalysen, z.B. zu Lohneffekten von Mismatch, stellt Selbstselektion in eine inadäquate Beschäftigung ein schwerwiegendes Problem dar. Anhand von Informationen über die Gründe eine Beschäftigung zu wählen und der Zufriedenheit mit Berufscharakteristika liefert diese Studie Hinweise für eine mögliche Selbstselektion von Absolventen.

Schlagworte

job mismatch, overqualification, skill mismatch