Es ist seit langem unbestritten, dass der erfolgreiche Einsatz von Prozesstechnologien entscheidend von der organisatorischen Infrastruktur von Unternehmen abhängt. Ebenso ist bekannt, dass die Implementierung neuer Technologien im Produktionsprozess oft des organisatorischen Wandels bedarf, um diese Technologien optimal nutzen zu können. Der Forschungszweig, der sich mit Umwelttechnologien und deren Wirkung auf die Produktivität oder Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen befasst, hat diesen Aspekt allerdings bislang fast völlig außer Acht gelassen. Der folgende Beitrag nimmt sich dieser Forschungslücke an und nutzt hierzu Daten des Mannheimer Innovationspanels (CIS 2008). Die zentrale Forschungsfrage unseres Beitrages ist dabei, ob Unternehmen, die eine Technologie zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen (CO2) in ihren Produktionsprozess eingeführt haben, diese Technologie erfolgreicher, d.h. produktiver einsetzen können, wenn sie gleichzeitig organisatorische Innovationen eingeführt haben. Letzteres umfasst Änderungen in der Ablauforganisation von Prozessen im Unternehmen, Änderungen in der Aufbauorganisation, aber auch neue Formen der Organisation von Beziehungen zu externen Partnern.

In unserer Analyse modellieren wir die Produktionsfunktion der Unternehmen indem wir eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion um endogene Entscheidungsvariablen, nämlich über den Einsatz von CO2- Vermeidungstechnologien und/oder organisatorischen Innovationen, erweitern. Vereinfacht ausgedrückt untersuchen wir, ob Unternehmen, die CO2-Vermeidungstechnologien zusammen mit organisatorischen Innovationen im Produktionsprozess implementiert haben, produktiver sind, d.h. mehr Umsatz mit Hilfe des gleichen Einsatzes von Produktionsfaktoren generieren können, als andere Unternehmen. Wir tragen der potenziellen Endogenität der Entscheidungsvariablen Rechnung, indem wir Instrumentenvariablen für die endogenen Entscheidungsvariablen konstruieren. Hierfür nutzen wir ein diskretes Entscheidungsmodell, das verschiedene Determinanten der Entscheidung Vermeidungstechnologien oder organisatorische Innovationen einzuführen beinhaltet. Außerdem berücksichtigt dieses simultane Gleichungsmodell, dass die Einführung einer der beiden Technologien nicht unabhängig von der Einführung der anderen ist.

Als zentrales Ergebnis der ökonometrischen Analyse zeigt sich einerseits, dass Unternehmen, die Treibhausgasvermeidungstechnologien eingeführt haben, ohne dabei ihre organisatorische Infrastruktur anzupassen, als Folge eine niedrigere Produktivität haben als Unternehmen der Kontrollgruppe, d.h. Unternehmen, die weder Vermeidungstechnologien noch organisatorische Innovationen eingeführt haben. Auf der anderen Seite erreichen Unternehmen, die zusätzlich zum Einsatz von Vermeidungstechnologien organisatorische Innovationen eingeführt haben, eine höhere Produktivität als die Kontrollgruppe. Mit anderen Worten, Vermeidungstechnologien und organisatorische Innovationen sind komplementär in Bezug auf die Produktivität von Unternehmen. Diese Ergebnisse haben Implikationen für die nachhaltige und wirtschaftliche Einführung von Umwelttechnologien in Unternehmen. Eine Anpassung der Unternehmens- oder Prozessorganisation ist demnach entscheidend für den effizienten Einsatz neuer CO2-Vermeidungstechnologien und deren Vereinbarkeit mit der Wirtschaftlichkeit von Unternehmen.

Autoren

Hottenrott, Hanna
Rexhäuser, Sascha
Veugelers, Reinhilde

Schlagworte

Firm Behaviour, Technical Change, Innovation, Environmental Innovation, Organizational Change, Productivity