In Deutschland wurden in dem Zeitraum 2002 bis 2008 etwa 178 Tsd. Familienunternehmen an einen neuen geschäftsführenden Inhaber übergeben. Das betrifft etwa 7% der Familienunternehmen. Ein Inhaber- und Geschäftsführerwechsel (Unternehmensnachfolge oder Generationenwechsel) stellt eine kritische Phase für jedes Unternehmen dar. Mangelnde rechtzeitige und umfassende Vorbereitung der Unternehmensnachfolge führt in der Praxis häufig zu Unternehmenskrisen und Betriebsstilllegungen. Unternehmensnachfolgen, die aus Altersgründen des Unternehmers bzw. der Unternehmerin erfolgen, sind planbar. Wesentlich kritischer verhält es sich bei den Unternehmensnachfolgen, die unerwartet und kurzfristig erforderlich werden. Nicht zuletzt drohen bei einem nicht erfolgreichen Generationenwechsel Arbeitsplätze wegzufallen. Die Nachfolger, also die neuen Inhaber und Geschäftsführer, kamen in der Vergangenheit in etwa hälftig aus der Familie und zur anderen Hälfte aus dem Unternehmen oder von außerhalb des Unternehmens (vgl. z. B. Habig und Berninghaus, 1998). Für die Zukunft kann vor dem Hintergrund der Alterung der Gesellschaft wohl davon ausgegangen werden, dass die Übergabe an familienexterne Nachfolger an Bedeutung gewinnen wird.

Angesichts der Fülle an Problemkreisen und Gestaltungsmöglichkeiten besteht für die Beteiligten einer Unternehmensnachfolge in aller Regel Beratungs- und Informationsbedarf sowie nicht selten auch Finanzierungsbedarf. Während die Schwerpunkte beim Übergebenden im Bereich des Erbrechts und der Wahl der geeigneten Übergabeform liegen, ist die zentrale Frage, die sich dem Nachfolger (oder den Nachfolgern) stellt, ob sich die Fortführung des Unternehmens für ihn überhaupt lohnt. Er bzw. sie muss in erster Linie prüfen, ob das Unternehmen den Anforderungen der momentanen und zukünftigen wirtschaftlichen Situation genügt, ob durch die Betriebsfortführung seine berufliche und finanzielle Existenz gesichert werden kann und ob die Einstiegskonditionen, z. B. der Kaufpreis, stimmen.

Der Nachfolger sieht sich umfangreichen Herausforderungen gegenüber. Häufig ist die Nachfolge nicht weniger komplex als der Aufbau eines neuen Unternehmens. Existierende Studien betrachten die Herausforderungen vor allem aus der Perspektive der Übergebenden und thematisieren u. a. Möglichkeiten der Vorbereitung der Nachfolge, das Finden von Nachfolgern und die Finanzierung der Nachfolge (vgl. u. a. www.nexxt.org).

Demgegenüber will die vorliegende Studie den Generationenwechsel in mittelständischen Unternehmen aus Nachfolgersicht beleuchten. Schwerpunkte sind dabei die Qualifikation des Nachfolgers für die Übernahme, die Rolle des früheren Eigentümers im Übergabeprozess, spezielle Herausforderungen im Zuge der Übernahme, strukturelle Veränderungen im Unternehmen und die Unternehmensentwicklung in den Jahren nach der Übernahme. Die im Rahmen dieser Studie durchgeführten Analysen basieren auf unterschiedlichen Datenbasen: Das sind

  1. das Mannheimer Unternehmenspanel,
  2. die Daten einer Unternehmensbefragung bei mittelständischen eigentümergeführten Familienunternehmen und
  3. 22 Fallstudien von mittelständischen Unternehmen in Deutschland.

Gottschalk, Sandra, Daniel Höwer, Georg Licht, Michaela Niefert, Annegret Hauer, Detlef Keese, Michael Woywode und in Zusammenarbeit mit Verband der Vereine Creditreform e.V. (2010), Generationenwechsel im Mittelstand. Herausforderungen und Erfolgsfaktoren aus der Perspektive der Nachfolger, Baden-Württembergische Bank, Stuttgart. Download

Kategorie

Gutachten

Autoren

Gottschalk, Sandra
Höwer, Daniel
Licht, Georg
Niefert, Michaela
Hauer, Annegret
Keese, Detlef
Woywode, Michael
Verband der Vereine Creditreform e.V., in Zusammenarbeit mit