Es ist eine weit verbreitete Ansicht, dass mehr Informationen über den Klimawandel zu einem besseren Verständnis des Phänomens und zu einem Anstieg von Präventionsmaßnahmen, wie dem Abschluss von Versicherungen gegen Naturgefahren, führen. Um diese Thematik zu untersuchen wurden zwei unabhängige Erhebungen durchgeführt. Die Umfrage der Forschungsgruppe des KIT basierte auf einem Online- Fragebogen mit 510 Teilnehmern aller sozio-ökonomischer Gruppierungen und aus allen Regionen Deutschlands. Die andere Umfrage (von Wissenschaftlern des ZEW) wurde mit 157 Teilnehmern durchgeführt, die in den Räumlichkeiten des Forschungsinstituts in Mannheim persönlich anwesend waren. Das Ziel der Analysen war es, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen dem Wissen über den Klimawandel, wissenschaftlicher Information über das Phänomen, sowie der Risikowahrnehmung bezüglich klimabedingter Gefahren zu überprüfen. Außerdem wurden die Beziehungen von Risikowahrnehmung und Präventionsmaßnahmen untersucht. Teilnehmer, die ein besseres Wissen in Fragen des Klimawandels offenbaren, schätzen die Effekte des Klimawandels als weniger gefährlich ein als solche mit niedrigerem Wissensstand. Der Einfluss von tatsächlichem Wissen verhält sich gegenteilig zu dem des selbst deklarierten Wissens. Die Teilnehmer, die ihr eigenes Informationsniveau über den Klimawandel relativ hoch einschätzen, zeigen ein höheres Maß an Risikowahrnehmung des Klimawandels als diejenigen, die sich selbst einen niedrigeren Informationsstand zuschreiben. Insgesamt wurden in beiden Befragungen unabhängig voneinander bestimmte Faktoren identifiziert, die die Risikowahrnehmung beeinflussen. Diese sind: das Geschlecht (weibliche Befragte zeigen eine höhere Risikowahrnehmung), Erfahrungen mit extremen Wetterereignissen (Schadenerfahrung bedeutet eine höhere Risikowahrnehmung), und das tatsächliche Wissen über den Klimawandel (besseres Wissen impliziert eine niedrigere Risikowahrnehmung). Überraschenderweise zeigt die Bereitstellung von wissenschaftlichen Informationen über die erwarteten Klimaeffekte keinen signifikanten Effekt auf die Risikowahrnehmung. Außerdem wurden ein positiver Effekt der Risikowahrnehmung des Klimawandels auf die Bereitschaft sich zu versichern und ein signifikanter Einfluss der Erfahrung mit Schäden durch extreme Wetterereignisse auf den Versicherungsschutz gefunden. Da Informationen über die Folgen des Klimawandels nicht zu einer steigenden Risikowahrnehmung führen, sind Zweifel über die Effizienz groß angelegter öffentlicher Informationskampagnen angebracht. Angesichts der breiten Berichterstattung über das Thema in den Massenmedien, mit teilweise recht drastischen Bildern und Nachrichten, können wissenschaftlich fundierte Informationen das Bewusstsein, dass der Klimawandel persönlich spürbare Auswirkungen haben wird und dass es Zeit zum Handeln ist, vermutlich nicht steigern.

Menny, Claas, Daniel Osberghaus, Max Pohl und Ute Werner (2011), General Knowledge About Climate Change, Factors Influencing Risk Perception and Willingness to Insure, ZEW Discussion Paper No. 11-060, Mannheim. Download

Autoren

Menny, Claas
Osberghaus, Daniel
Pohl, Max
Werner, Ute

Schlagworte

Climate Change, Knowledge Illusion, Insurance, Risk Perception, Information, Psychometric paradigm