In dieser Studie werden anhand einer experimentellen Datenerhebung im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) mögliche Determinanten des Belohnungsaufschubs bei Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren untersucht (im Folgenden als "Geduld bei Kindern" bezeichnet). Die Pilotstudie zu den Zeitpräferenzen im Vorschulalter wurde in einer Kooperation vom IEW Zürich, SOEP Berlin und ZEW Mannheim durchgeführt. Das Verhalten wird in einem Experiment beobachtet, bei dem sich die Kinder zwischen einer Belohnung, welche sofort erhältlich ist und einer größeren Belohnung, auf die sie warten müssen, entscheiden können. Das Experiment wurde in der Wohnung der Familie durchgeführt. Ein zweites Experiment diente dazu, die Zeitpräferenzen der Mütter zu erfassen. Der Belohnungsaufschub gilt als wichtige Vorstufe für die Ausbildung der Handlungskontrolle, die wiederum eine Grundlage für den Schul- und Arbeitsmarkterfolg und die Integration in die Gesellschaft ist. Aus ökonomischer Sicht haben Zeitpräferenzen eine herausgehobene Bedeutung für alle Investitions- und Sparentscheidungen, insbesondere auch für die Investitionen in Bildung und das Humankapital. Aus Sicht der Bildungspolitik ist beispielsweise die Frage von erheblicher Bedeutung, ob und ggf. in welcher Entwicklungsphase man die Ausdauer und Geduld von Kindern und damit das Leistungsvermögen verbessern kann. Im Kontext dieser Diskussion wird in der Forschung vermehrt das Verhalten im Vorschulalter untersucht, da grundlegende kognitive und nicht-kognitive Fähigkeiten im Kindesalter den Schulerfolg prognostizieren. Die vorliegende Studie möchte dazu beitragen, eine wichtige Forschungslücke zu schließen, da über die Determinanten von Zeitpräferenzen von Kindern im Vorschulalter und deren Müttern bisher wenig Evidenz vorliegt. Zusammenfassend bestätigt die Pilotstudie, dass die Geduld von Kindern bereits im Vorschulalter eine signifikante Varianz aufweist. Während fast 80% der Kinder geduldig erscheinen, sind ca. 20% der Kinder in diesem Alter aufgrund des experimentellen Tests eher ungeduldig. Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass mit ansteigendem Alter die Geduld zunimmt. Bessere verbale Fähigkeiten und Geduld sind positiv miteinander korreliert. Keinen Zusammenhang mit der Geduld weisen das Geschlecht, die Anzahl Kinder im Haushalt, das Haushaltseinkommen sowie der Besuch einer Bildungseinrichtung auf. Jedoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine geduldigere Mutter sowie eine längere Stilldauer im Säuglingsalter die Wahrscheinlichkeit geduldig zu sein erhöht. Die frühe Eltern-Kind-Interaktion scheint demnach auch im Bereich der Zeitpräferenz die "Wiege des Handelns" zu sein.

Bartling, Bjoern, Ernst Fehr, Barbara Fischer, Fabian Kosse, Michel Maréchal, Friedhelm Pfeiffer, Daniel Schunk, Juergen Schupp, C. Katharina Spieß und Gert G. Wagner (2009), Geduld von Vorschulkindern - Ergebnisse einer Experimentalstudie im Haushaltskontext von Kindern, ZEW Discussion Paper No. 09-069, Mannheim. Download

Autoren

Bartling, Bjoern
Fehr, Ernst
Fischer, Barbara
Kosse, Fabian
Maréchal, Michel
Pfeiffer, Friedhelm
Schunk, Daniel
Schupp, Juergen
Spieß, C. Katharina
Wagner, Gert G.

Schlagworte

Ungeduld, Motivationsaufschub, Experimentelles Design, SOEP