Dieses Papier untersucht den Erklärungsgehalt des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowie von einzelnen Komponenten des BIP für die Renditen von Aktienportfolios in einer einheitlichen Gesamtbetrachtung. Aus einer theoretischen Perspektive ist das aggregierte BIP ein naheliegender Risikofaktor für Kapitalmarktmodelle. Aus empirischer Sicht jedoch korreliert das aggregierte BIP nicht sehr ausgeprägt mit Aktienmärkten und ist kein hilfreicher Erklärungsfaktor der durchschnittlichen Renditen.

Es ist jedoch ein stilisierter Fakt in der Makroökonomie, dass einige Komponenten des BIP gegenüber dem Aggregat einen Vorlauf aufweisen, während andere Komponenten des BIP gegenüber dem Aggregat einen Nachlauf aufweisen. Dieser Sachverhalt wurde in den bisherigen Untersuchungen und der Kapitalmarkt-Literatur allerdings vernachlässigt und bedarf daher einer expliziten Analyse.

Unsere empirischen Erkenntnisse dokumentieren, dass BIP Komponenten, welche eine Vorlaufeigenschaft gegenüber dem Aggregat aufweisen, die "Size"- und "Value"- Prämie auf Aktienmärkten gut erklären können. Im Gegensatz dazu finden wir eine gegenläufige empirische Evidenz für die "Momentum"-Prämie. Die BIP-Komponenten, welche einen Nachlauf gegenüber dem Aggregat aufweisen, sind in der Lage, die "Momentum"-Prämie gut zu erklären. Ein Drei-Faktoren-Modell, welches einen Markt-Faktor, eine BIP-Komponente mit Vorlauf sowie eine BIP-Komponente mit Nachlauf beinhaltet, kann mit dem Carhart-Vier-Faktoren Modell mithalten und ist in der Lage die Renditen von "Size"-, "Value"-, "Momentum"-, sowie Industrie-Portfolios gemeinsam zu erklären.

Schlagworte

Business Cycle, Lead, Lag, Size, Value, Momentum