In den letzten Jahren hat die Pharmaindustrie zahlreiche Fusions- und Akquisitionsaktivitäten erlebt. Dennoch existieren nur eine Hand voll Studien, die die Effekte solcher Pharmafusionen analysieren. In diesem Beitrag untersuchen wir die Effekte der Fusion von Pfizer and Pharmacia (2003) auf den Wettbewerb im Schweizer Pharmamarkt und stellen die Fusionseinschätzungen der Schweizer Wettbewerbskommission (WEKO) den tatsächlichen Marktentwicklungen nach der Fusion gegenüber. Wir stellen fest, dass der Zusammenschluss von Pfizer und Pharmacia kaum den Wettbewerb auf dem Schweizer Pharmamarkt verändert hat. Die Gründe liegen in erster Linie darin, dass die aktuellen Produktportfolien der beiden Unternehmen nur wenige Überschneidungen aufwiesen. In den beiden kritischen Fällen wurden Auflagen ausgesprochen, die verhindern, dass eine marktbeherrschende Stellung verstärkt wird. Dabei wurden auch Produkte berücksichtigt, deren Markteinführung absehbar war. In den anderen Märkten, in denen es eine Überscheidung in den Geschäften der beiden Unternehmen gab oder eines der beiden Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung inne hatte, waren Effekte der Fusion aufgrund der Preisregulierung in der Schweizer Pharmaindustrie und den Änderungen im Pfizer’s Produktportfolio kaum feststellbar. Einige denkbare Effekte der Fusion wie beispielsweise auf das Investitionsverhalten, F&E, Erlös, Beschäftigung konnten nur auf Konzernebene untersucht werden. Ein Rückschluss auf den Zusammenschluss ist daher nicht eindeutig. Auf der Ebene des untersuchten spezifischen Fusionsfalls stellen wir insgesamt fest, dass die Beurteilung der WEKO zum aktuellen und potentiellen Wettbewerb auf dem Schweizer Pharmamarkt zutreffend war. Die Marktstruktur ist insgesamt eher stabil, differenziert aber zwischen den verschiedenen Produktkategorien. Die WEKO hat die Wettbewerbssituation korrekt eingeschätzt, beispielsweise bezüglich der Präsenz von Markteintrittbarrieren oder der Rolle des potentiellen Wettbewerbs. Insgesamt erschweren aber die dynamischen Entwicklungen des Marktes eine detaillierte Interpretation, beispielsweise der Marktanteilsentwicklungen nach der Fusion. Auf einer generelleren Ebene liefert der Aufsatz einen Beitrag zur wachsenden Literatur der Evaluation von Fusionsentscheidungen. Obwohl wir uns auf die Analyse einer einzelnen Fusion konzentrieren, veranschaulicht der Beitrag die fundamentalen Probleme und Herausforderungen von ex-post Studien. Um die Tätigkeiten der Wettbewerbsbehörden in einem bestimmten Fusionsfall vollständig zu beurteilen, sind detaillierte Daten (und zusätzliche Informationen) für die Durchführung ökonometrischer Analysen erforderlich. Im Regelfall sind solche Informationen jedoch oft kaum verfügbar, vor allem aufgrund von Vertraulichkeitsaspekten. In jedem Fall sollte abschliessend klar darauf hingewiesen werden, dass die Beurteilung einer einzelnen Fusion im Fokus dieses Beitrags steht und somit keine generelleren Schlussfolgerungen abgeleitet werden können. Um die gesamte Fusionspolitik und etwaiges Reformpotential in der Schweiz oder in einem anderen Land beurteilen zu können, ist die Untersuchung einer deutlich grösseren Anzahl an Fusionen erforderlich.

Leheyda, Nina, Patrick Beschorner und Kai Hüschelrath (2011), Ex-post Assessment of Merger Effects: The Case of Pfizer and Pharmacia (2003), ZEW Discussion Paper No. 11-035, Mannheim, erschienen in: Journal of Advanced Research in Law and Economics. Download

Autoren

Leheyda, Nina
Beschorner, Patrick
Hüschelrath, Kai

Schlagworte

Mergers, ex-post evaluation, pharmaceutical markets