Quantitative Methoden erlauben es, Wirkungszusammenhänge auf breiter Basis zu untersuchen. Zu diesen Methoden zählen neben standardisierten Fragebögen, Cost-Benefit-Analysen, scientometrischen und bibliometrischen Analysen auch ökonometrische Methoden. Die Ökonometrie bietet die Möglichkeit, die Auswirkungen von politischen Maßnahmen unter gleichzeitiger Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren auf mikro- oder makroökonomischer Ebene zu analysieren. Diese sind allerdings komplex und erfordern eine hohe Zahl an Beobachtungen (Fälle) sowie eine Vielzahl typischer, den Analysegegenstand beschreibender Variablen (Eigenschaften).
Ökonometrische Wirkungsanalyse von Förderprogrammen
Ziel einer ökonometrischen Wirkungsanalyse von Fördermaßnahmen im Unternehmensbereich ist die Quantifizierung des erzielten Effekts auf Tätigkeiten der Unternehmen. Eine Frage, die mit Hilfe dieses Instrumentes beantwortet werden kann, lautet: In welchem Ausmaß hat sich die Innovationstätigkeit eines geförderten Unternehmens aufgrund einer öffentlichen Förderung verändert? Um diese Frage zu beantworten, müsste man ein gefördertes Unternehmen in zwei verschiedenen Szenarien beobachten: im Zustand der Förderung und im Zustand ohne Förderung. Da diese beiden Zustände nicht gleichzeitig beobachtbar sind, wird diese kontrafaktische Situation mit Hilfe von ökonometrischen Verfahren approximiert. Eine Möglichkeit der Schätzung der kontrafaktischen Situation bieten so genannte Kontrollgruppenansätze, bei denen geförderte Unternehmen mit nicht-geförderten Unternehmen aus einer validen Kontrollgruppe verglichen werden.
Moderne Kontrollgruppenansätze berücksichtigen, dass der Erhalt von öffentlicher Förderung nicht zufällig erfolgt, sondern verschiedenen Selektionsprozessen unterworfen ist. Zum einen weisen Unternehmen ein unterschiedliches Antragsverhalten auf (beispielsweise aufgrund eines unterschiedlichen Informationsstandes der Unternehmen über das öffentliche Förderangebot). Zum anderen folgt der Auswahlprozess der Förderadministration nicht-stochastischen Mechanismen (z.B. kann nach der sogenannten Picking-the-Winners-Strategie verfahren werden, nach der lediglich die vielversprechendsten Unternehmen öffentliche Förderung erhalten). In beiden Fällen kommt es zu Selektionsverzerrungen, deren Berücksichtigung erst konsistente Ergebnisse einer Wirkungsanalyse liefert.
Zwei häufig angewendete ökonometrischer Evaluationsmethoden sind Matching- und Selektionsmodelle. Beide Ansätze unterscheiden sich in den grundlegenden Modellannahmen und der Konstruktion der kontrafaktischen Situation. Matching-Modelle schätzen den Effekt einer Fördermaßnahme, indem sie jedem geförderten Unternehmen ein Zwillingsunternehmen (d.h. ein Unternehmen mit identischen bzw. ähnlichen Charakteristika) aus einer geeigneten Kontrollgruppe nicht-geförderter Unternehmen gegenüberstellen. Beim Matching wird die kontrafaktische Situation des geförderten Unternehmens durch das nicht geförderte Zwillingsunternehmen approximiert. Wenn sich die Zwillingsunternehmen lediglich dadurch unterscheiden, dass sie keine Förderung erhalten haben, kann gefolgert werden, dass Unterschiede in der Innovationstätigkeit auf den Erhalt der öffentlichen Förderung zurückzuführen sind.
In Selektionsmodellen wird in der ersten Stufe (Selektionsgleichung) anhand von Unternehmenscharakteristika und Wettbewerbsbedingungen eine Wahrscheinlichkeit dafür geschätzt, dass ein Unternehmen Förderung erhält. In der zweiten Stufe (strukturelle Gleichung) wird die Innovationstätigkeit geförderter und nicht geförderter Unternehmen geschätzt, wobei die Selektion der geförderten Unternehmen durch sogenannte Selektionskorrekturterme, die auf der geschätzten Förderwahrscheinlichkeit der ersten Stufe beruhen, erfasst wird. Der Effekt der Förderung ergibt sich aus der Differenz der geschätzten durchschnittlichen Innovationstätigkeiten von geförderten und nicht-geförderten Unternehmen unter Berücksichtigung der Selektionskorrektur. Einen Überblick über Studien und Analysen, die ökonometrische Verfahren angewendet haben, gibt folgendes PDF-Dokument.