Die USA sind das letzte Land, das noch Repatriierungssteuern auf ausländische Direktinvestitionen erhebt. Werden Gewinne einer ausländischen Tochtergesellschaft an die Muttergesellschaft ausgeschüttet, besteuern die USA diese Dividenden mit 35% (zzgl. Staatssteuern). Bereits im Ausland gezahlte Steuern auf die den Dividenden zugrunde liegenden Gewinne werden dabei angerechnet (Anrechnungsverfahren). In allen anderen großen Volkswirtschaften sind solche Dividendenzahlungen von zusätzlicher Besteuerung befreit (Freistellungsverfahren).

Mögliche Repatriierungssteuern auf Gewinne einer Zielgesellschaft nach einer grenz-überschreitenden Unternehmensübernahme verringern den Barwert der erwarteten zukünftigen Nettogewinne für den potentiellen Erwerber. Diese niedrigere Bewertung der Zielgesellschaft führt verglichen mit einem sonst gleichen Mitbewerber aus einem Freistellungsland zu einer geringeren Zahlungsbereitschaft des US-Investors, der dadurch bei Bieterverfahren um attraktive Zielgesellschaften seltener zum Zuge kommen dürfte. In der vorliegenden Studie wird empirisch untersucht, inwiefern das Anrechnungsverfahren tatsächlich Unternehmensübernahmen im Ausland behindert und der damit verbundene Effizienzverlust abgeschätzt.

Mit Großbritannien und Japan haben im Jahr 2009 erstmals zwei große Kapital exportierende Volkswirtschaften ihr internationales Besteuerungssystem fundamental geändert und das Anrechnungsverfahren durch das Freistellungsverfahren ersetzt. Diese Reformen erlauben es, den Effekt von Repatriierungssteuern auf die internationale Übernahmeaktivität in einem quasi-natürlichen Experiment zu untersuchen.

Die vorliegende Studie analysiert grenzüberschreitende Übernahmen im Zeitraum 2004 bis 2010 mit Erwerbergesellschaften in 20 OECD-Ländern. Dabei wird für jedes Zielunternehmen und für jedes potentielle Erwerberland die Wahrscheinlichkeit geschätzt, einen Erwerber aus dem jeweiligen Land zu beobachten, um Rückschlüsse darüber zu ziehen, wie sich die Wahrscheinlichkeit einen Erwerber aus Großbritannien bzw. Japan zu beobachten durch die Einführung des Freistellungsverfahrens geändert hat.

Die empirische Analyse bestätigt, dass Repatriierungssteuern die Wettbewerbsfähigkeit im Bieterverfahren um ausländische Zielgesellschaften verringern. Die ökonomische Relevanz hängt vom Steuersatz im jeweiligen potentiellen Erwerberland ab. Da der japanische Gewinnsteuersatz im Jahr 2009 (40,69 %) höher war als der Britische (28 %), ergibt sich auch ein stärkerer Reformeffekt für Japan. Gemäß den Simulationen in der vorliegenden Studie hat die Abschaffung des Anrechnungsverfahrens die Zahl der grenzüberschreitenden Übernahmen mit japanischen Erwerbern um 31,9% erhöht. Für Großbritannien ergibt sich eine Steigerung um 3,9 %. Eine analoge Simulation einer hypotetischen Reform in den USA führt zu einem Anstieg der Übernahmezahl mit US-Erwerber um 17,1 %.

Schlagworte

International taxation, ownership neutrality, cross-border M&As, repatriation taxes