Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Bildungsinvestitionen in verschiedenen Lebensphasen und der Nachhaltigkeit des umlagefinanzierten Rentenversicherungssystems in Deutschland. Kosten und Nutzen von Bildungsinvestitionen werden dabei mit Transferzahlungen verglichen, die direkt zur Reduktion von Ungleichheiten im Lebenseinkommen, insbesondere während des Rentenbezugs, beitragen. Die Studie vergleicht erstmals die Wirksamkeit von Bildungsinvestitionen für die Entwicklung der Lebenseinkommen unter Berücksichtigung des demografischen Wandels. Dieser Vergleich wird für die Kohorten der in den Jahren 1940 bis 2044 Geborenen für die Zeitspanne von 2010 bis 2080 durchgeführt. Die Analyse basiert auf einem Modell der altersabhängigen Humankapitalbildung, das durch dynamische Komplementaritäten im Lebenszyklus gekennzeichnet ist.

Transferzahlungen werden mit kompensierenden Bildungsinvestitionen für unterschiedliche Altersgruppen verglichen, die beide das Potenzial haben, die Ungleichheit des Lebenseinkommens zu reduzieren. Dabei bietet unsere Analyse erstmals die Möglichkeit, auch die langfristigen Effekte von Bildungsinvestitionen abzuschätzen, die bereits in der frühen Kindheit getätigt werden. Die nachträgliche Korrektur der Lebenseinkommen durch Transferzahlungen während der Phase des Rentenbezugs und die vorsorgenden Bildungsinvestitionen haben jeweils spezifische Kosten und Nutzen für Kinder, Erwerbstätige und Rentner. Falls es das Ziel der Politik ist, die Ungleichheit des Lebenseinkommens innerhalb einer Generation zu verringern, sind aus Kosten-Nutzen-Überlegungen kompensierende Bildungsinvestitionen bis zum Alter von 17 Jahren, im Alter danach finanzielle Transferleistungen die bessere Wahl. Bildungsinvestitionen im Vorschulalter lassen aufgrund des Fähigkeitenmultiplikators der Kindheit die größten Erträge, gemessen am Lebenseinkommen, erwarten.

Prognosen zeigen, dass in den nächsten Jahrzehnten die Bevölkerung in Deutschland weiter altern wird. In Folge dessen wird der Anteil der Rentner an der Erwerbsbevölkerung im Erwartungswert von 30 Prozent heute auf 50 Prozent steigen. Zukünftige Rentensteigerungen werden trotz steigender Beiträge gering oder sogar negativ sein. Nach unseren Analysen könnten nach von im Jahre 2011 eingeführten steuerfinanzierten zusätzlichen Bildungsinvestitionen im Vorschulalter bereits die Geburtsjahrgänge ab 1976 in Form einer Zunahme ihres Lebenseinkommens profitieren. Bildungsinvestitionen im Vorschulalter können demnach bei gleichbleibendem Rentenrecht die ökonomischen Konsequenzen des demografischen Übergangs abmildern.

Schlagworte

Early education, demographic change, inequality over the life span, redistributive policy