Der Prozess der Globalisierung stellt neue Anforderungen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in entwickelten Industrieländern. Zum einen nimmt der Wettbewerbsdruck im Heimatmarkt zu, zum anderen ergeben sich neue Wachstumspotenziale in den dynamischen Schwellenländern. Erhöhte Innovationsanstrengungen und eine verstärkte Internationalisierung der Geschäftstätigkeit sind zwei aussichtsreiche strategische Antworten. In diesem Aufsatz analysieren wir, welche Faktoren die Entscheidung von KMU beeinflussen, ihre Innovationsprozesse zu internationalisieren, d.h. Innovationsaktivitäten auch an ausländischen Standorten aufzunehmen. In einem zweiten Schritt untersuchen wir, welche unmittelbaren Rückwirkungen einer innovationsorientierten Internationalisierung auf die Unternehmensentwicklung am Heimatstandort ausgehen. Dahinter steht die auch innovationspolitisch relevante Frage, ob der Aufbau zusätzlicher Innovationskapazitäten im Ausland die Aktivitäten im Heimatstandort schwächt (indem Ressourcen abgezogen werden) oder stärkt (indem die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens insgesamt erhöht wird). Zentral für die Analyse die die Unterscheidung von Innovationsaktivitäten nach verschiedenen Arten (Forschung und Entwicklung, Konstruktion/Design, Herstellung von neuen Produkten, Investitionen in neuen Verfahren, Absatz von innovativen Produkten), die u.a. unterschiedliche Risiken, Finanzierungsanforderungen und Effekte auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens abbilden. Die Analyse stützt sich auf eine umfangreiche Datenbasis von deutschen KMU aus Industrie und Dienstleistungen, die durch die Verknüpfung von drei Befragungswellen des Mannheimer Innovationspanels (MIP) erstellt wurde. Die Entscheidung von KMU, in den Jahren 2006 und 2007 ihre Innovationsaktivitäten an Auslandsstandorten auszuweiten (d.h. entweder erstmals Innovationsaktivitäten im Ausland aufzunehmen oder bereits bestehende auszuweiten) wird durch eine vorhandene Exporterfahrung sowie durch Erfahrungen im effektiven Schutz von geistigem Eigentum befördert. Für die Internationalisierung von FuE und den Export innovativer Produkte ist außerdem noch eigene, kontinuierliche FuE-Tätigkeit am Heimatstandort von Bedeutung. Ein durch erhöhten Wettbewerbsdruck durch Marktzutritte oder einen scharfen Preiswettbewerb gekennzeichnetes Marktumfeld im Heimatmarkt spielt für die Internationalisierung von Innovationsaktivitäten keine Rolle. Im Gegenteil, KMU, die sich auf innovationsbasierte Nischenmärkte spezialisiert haben, sind eher bereit bzw. in der Lage, Innovationsaktivitäten zu internationalisieren. Hohe Innovationskosten am Standort Deutschland tragen dazu bei, dass Innovationsaktivitäten an Auslandsstandorten verstärkt werden. Ein Mangel an Fachkräften führt zu einem verstärkten Aufbau von Produktionskapazitäten für neue Produkte im Ausland. Deutsche KMU, die im Jahr 2005 im Ausland Innovationsaktivitäten unterhalten haben, können tendenziell ein höheres Beschäftigungswachstum im Zeitraum 2004 - 2006 am Heimatstandort realisieren. Ausschlaggebend hierfür sind FuE-Aktivitäten im Ausland sowie der Export innovativer Produkte. Aber auch KMU, die nur im Inland forschen, sowie der Export nicht-innovativer Produkte begünstigen höheres Wachstum. Allerdings sind die Effekte niedriger als im Fall von Auslands-FuE und Exporten innovativer Produkte.

Rammer, Christian und Anja Schmiele (2008), Drivers and Effects of Internationalising Innovation by SMEs, ZEW Discussion Paper No. 08-035, Mannheim, erschienen in: Applied Economics Quarterly. Download

Schlagworte

Internationalisation of Innovation, Globalisation, SMEs, Effects of Innovation, Absorptive Capacities, Market Structure