Der Einfluss der Einwanderung auf die politische Unterstützung für den Sozialstaat ist in den vergangenen Jahren verstärkt zum Gegenstand der wissenschaftlichen und politischen Diskussion geworden. Eine zentrale These lautet, dass ein gewisser sozialer Zusammenhalt nicht nur Folge, sondern auch Voraussetzung staatlicher Sozialpolitik und Umverteilung ist, und dass eine zunehmende ethnische Vielfalt diesen sozialen Zusammenhalt möglicherweise schwächt. Die bisherigen empirischen Untersuchungen zu dieser These kommen allerdings zu keinen eindeutigen Ergebnissen. Für Deutschland wurde der Einfluss der Einwanderung auf die Umverteilungsbereitschaft der Bevölkerung überhaupt noch nicht untersucht. Die vorliegende Studie füllt diese Lücke. Sie untersucht, inwieweit die Einstellungen deutscher Staatsangehöriger gegenüber der staatlichen Unterstützung von Arbeitslosen vom regionalen Ausländeranteil unter den Arbeitslosen beeinflusst werden. Datenbasis sind zwei Wellen des Sozio-ökonomischen Panels, die für die Zwecke der Untersuchung mit Daten der amtlichen Statistik verknüpft wurden. Hierbei wird nicht der Ausländeranteil in der Bevölkerung, sondern der für die hier untersuchte Fragestellung relevantere Anteil der Ausländer unter den Arbeitslosen berücksichtigt. Eine weitere, methodische Verbesserung gegenüber bisherigen Studien ist die Verwendung von Paneldaten auf individueller Ebene. Mit diesen Daten lässt sich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Einwanderung und der Umverteilungsbereitschaft unter schwächeren Annahmen identifizieren. Das zentrale Ergebnis der Studie lautet, dass ein negativer Zusammenhang zwischen dem regionalen Ausländeranteil unter den Arbeitslosen und der Zustimmung von Nichteinwanderern zu staatlicher Unterstützung für die Arbeitslosen besteht. Dieser negative Zusammenhang ist robust. Er zeigt sich auch dann, wenn andere individuelle und regionale Einflussgrößen, die die Umverteilungspräferenzen der Bevölkerung beeinflussen, kontrolliert werden. In Schätzungen, in denen der Einfluss von über die Zeit konstanten unbeobachteten Faktoren ausgeschaltet wird, ist der negative Zusammenhang allerdings nicht immer statistisch signifikant. Zudem erscheint der Einfluss der Ausländeranteils auf die Einstellungen der Nichteinwanderer grundsätzlich eher schwach. Andere Determinanten, wie etwa das Einkommen, eine Tätigkeit als Selbständiger oder eine Herkunft aus Ostdeutschland, haben einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Einstellung gegenüber der staatlichen Unterstützung für die Arbeitslosen.

Schlagworte

redistribution, social security, welfare state, immigration, ethnic diversity, Germany, cluster-robust standard errors, two-way clustering