In vielen Ländern der Welt ist die Fusionskontrolle zu einem integralen Bestandteil der Wettbewerbspolitik geworden. Im Rahmen einer ex-ante Untersuchung von horizontalen Fusionsvorhaben untersuchen Wettbewerbsbehörden regelmäßig, ob der geplante Zusammenschluss zu einer wesentlichen Verringerung des Wettbewerbs führt. Während eine horizontale Fusion unweigerlich eine Erhöhung der Marktkonzentration zur Folge hat und damit im Verdacht steht, die Marktmacht der fusionierenden Partei zu erhöhen, existieren zwei Effekte die etwaigen Preissteigerungsanreizen entgegenwirken: nachfrageseitige Substitution und angebotsseitige Substitution. Nachfrageseitige Substitution bezieht sich auf den Anteil an Konsumenten, der im Falle einer Preiserhöhung zu Wettbewerbern wechseln würde, während angebotsseitige Substitution die Frage untersucht, in welchem Ausmaß Wettbewerber auf fusionsbedingte Preiserhöhungen reagieren würden.

Mit diesem Kurzbeitrag tragen wir zu der spärlichen empirischen Literatur bei, die sich einer Untersuchung der angebotsseitigen Reaktionen auf eine horizontale Fusion widmet; das heißt, wir gehen der Frage nach, ob Wettbewerber ihre Markteintrittsaktivitäten nach erfolgter Fusion erhöhen oder senken. Konkret nutzen wir Marktdaten auf Streckenebene nach dem Abschluss der America West Airlines – US Airways Fusion (2005) um zu untersuchen ob empirische Belege für eine entsprechende Reaktion der Wettbewerber gefunden werden können. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl verstärkter Markteintritt als auch reduzierter Markteintritt in der Folge der Fusion beobachtet werden konnten und zwar in Abhängigkeit vom Routentyp und der betrachteten Fluggesellschaft. Interessanterweise zeigt sich weiterhin, dass Streckenmärkte mit ex-ante höherem Preissteigerungspotential – das heißt insbesondere Streckenmärkte auf denen die beiden fusionierten Parteien in direktem Wettbewerb standen – keine erhöhten Markteintrittsaktivitäten aufweisen. Unsere Ergebnisse legen daher den Schluss nahe, dass Wettbewerbsbehörden im Rahmen von Fusionsuntersuchungen vorgebrachten Argumenten einer marktmachtdisziplinierenden Wirkung von Markteintritten (nach erfolgter Fusion) mit einem gehörigen Maß an Skepsis entgegentreten sollten. In dieser Hinsicht bestätigen unsere Ergebnisse die zentralen theoretischen Erkenntnisse des Beitrags von Werden und Froeb (1998).

Bougette, Patrice, Kai Hüschelrath und Kathrin Müller (2013), Do Horizontal Mergers Induce Entry? Evidence from the U.S. Airline Industry, ZEW Discussion Paper No. 13-030, Mannheim. Download

Autoren

Bougette, Patrice
Hüschelrath, Kai
Müller, Kathrin

Schlagworte

Airline industry, merger, entry-inducing effects