Kartellabsprachen zwischen Wettbewerbern zielen typischerweise darauf ab, den herrschenden Wettbewerb zu reduzieren und gleichzeitig die Unternehmensgewinne zu erhöhen. Aufgrund der Tatsache, dass solche Vereinbarungen regelmäßig großen ökonomischen Schaden in Form von beispielsweise erhöhten Preisen oder reduzierten Innovationsaktivitäten verursachen, stellen sie weltweit einen schwerwiegenden Verstoß gegen die entsprechenden Kartellgesetze dar. Nach dem Zusammenbruch von Kartellen hat man verschiedentlich beobachtet, dass in den jeweils betroffenen Industrien die Fusionsaktivitäten angestiegen sind und daraus die Frage abgeleitet, ob Fusionen möglicherweise eine 'second-best' Alternative zum (gerade zusammengebrochenen) Kartell darstellen können. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir den Einfluss von Kartellzusammenbrüchen auf die Fusionsaktivitäten. Durch die Zusammenlegung von Informationen über alle von der Europäischen Kommission zwischen 2000 und 2011 abgeschlossenen Kartelluntersuchungen mit einem detaillierten Datensatz weltweiter Fusionsaktivitäten finden wir, dass die durchschnittliche Anzahl an Fusionen nach einem Kartellzusammenbruch um bis zu 51 Prozent ansteigt (vergleicht man auf Branchenebene die drei Jahre vor dem Zusammenbruch des Kartells mit den drei Jahren danach). Betrachtet man lediglich horizontale Fusionen, so findet man sogar Anstiege in der Fusionsaktivität von bis zu 83 Prozent. Unsere Ergebnisse legen nicht nur nahe, dass Wettbewerbsbehörden Fusionen als mögliche 'second-best' Alternative zu Kartellen betrachten sollten, sondern implizieren ebenso, dass Umschichtungen bzw. Erweiterungen von Ressourcen in Wettbewerbsbehörden, Kanzleien und ökonomischen Beratungsgesellschaften notwendig werden können, um den Anstieg an Fusionsfällen im zur Verfügung stehenden Zeitrahmen bewältigen zu können.

Schlagworte

Antitrust policy, cartels, mergers, cartel breakdown, European Union