Anfang des Jahres 2005 wurden Arbeitslosen- und Sozialhilfe für Erwerbsfähige und ihre Angehörigen zur neuen Grundsicherung für Arbeitsuchende zusammengelegt und als neue Unterstützungsleistung das bedarfsorientierte Arbeitslosengeld II eingeführt. Diese Leistungsreform hatte einen großen Einfluss auf die Anspruchsberechtigung. In der Literatur gibt es bisher kaum empirische Evidenz über die Zugänge in den Bezug von Arbeitslosengeld II. Von besonderem Interesse sind dabei die Zugänge von Arbeitnehmern, die mit langen Phasen der Arbeitslosigkeit einhergehen. Die häufig geäusserte Feststellung, Arbeitslosigkeit gehe mit Armut einher, beruht meist auf der Charakterisierung von Bestandsdaten, während Zugangsanalysen fehlen. Angesichts der in der Literatur häufig gemachten Feststellung, dass das Verbleibsrisiko in Armut (oder Sozialleistungsbezug) sehr viel größer ist als das Risiko arm (zum Bezieher von Sozialleistungen) zu werden, ist es wichtig, die Determinanten des Eintritts in den Bezug von Arbeitslosengeld II zu untersuchen. Ein Beitrag der hier vorgelegten Analyse besteht darin, dass wir sehr differenziert Zugangssequenzen auf Basis sehr detaillierter Prozessdaten modellieren können. Diese Arbeit untersucht die erwerbsfähig eingestuften Bezieher von Arbeitslosengeld II, die mindestens einmal Arbeitslosengeld II im dritten Quartal 2006 bezogen haben. Unsere Ergebnisse zeigen, dass 16% der Bezieher von Arbeitslosengeld II im dritten Quartal 2006 während des Zeitraums 2000 bis 2005 keine Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II bezogen. Weiterhin wird untersucht, inwieweit sich der Bezug von Arbeitslosengeld II für Personen, die vorher noch nie Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II bezogen haben, aus den Prozessdaten der Bundesagentur für Arbeit prognostizieren lässt. Unsere Schätzungen ergeben, dass mit den Prozessdaten die höchste prognostizierte Wahrscheinlichkeit neu in den Bezug von Arbeitslosengeld II Personengruppen überzugehen bei 49% liegt. Für den überwiegenden Teil der Stichprobe ergeben sich jedoch weit geringere prognostizierte Übergangswahrscheinlichkeiten. Dies zeigt, dass mit den Prozessdaten keine größeren Personengruppen mit einem hohen Risiko des Zugangs in Arbeitslosengeld II identifiziert werden können. Gleichwohl identifiziert die Analyse wichtige Prädiktoren für den Zugang in Arbeitslosengeld II und damit werden deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen im Hinblick auf die Herkunft der Zugänge erkennbar. Beispielsweise kann eine Teilstichprobe von 12% aller Personen ohne bisherigen Arbeitslosenhilfe- oder Arbeitslosengeld-II-Bezug innerhalb des Zeitraums 2000 bis 2005 in administrativen Daten identifiziert werden, aus der ca. zwei Drittel aller Arbeitslosengeld-II-Zugänge von Männern und ca. 55% aller Arbeitslosengeld-II-Zugänge von Frauen entstammen. Die im Rahmen dieser Arbeit aus den Prozessdaten identifizierbaren Unterschiede in den Zugangsrisiken können beim Auffrischen des am IAB erhobenen Panels Arbeitsmarkt und soziale Sicherung (PASS) benutzt werden.

Schlagworte

Arbeitslosengeld II, Zugangsprozesse, Prozessdaten