In den letzten Jahren hat die aktive Arbeitsmarktpolitik (AAMP) einen größeren Akzent auf Unterstützung bei der Arbeitssuche, Kontrolle und Überprüfung der Arbeitsverfügbarkeit sowie auf begrenzte Qualifizierung für eine kurzfristige Aktivierung der Arbeitslosen gesetzt. In Deutschland spiegelt sich die Fokussierung auf Aktivierungsstrategien in der Abkehr von traditionellen längeren Weiterbildungsmaßnahmen wider, die typischerweise einige Monate bis zwei Jahre dauern, hin zu kurzen Trainingsmaßnahmen mit einer Dauer von zwei bis zwölf Wochen. Heutige Kurzzeitmaßnahmen in Deutschland verfolgen zwei Hauptziele. Zum einen sollen sie die Wiedereingliederung der Teilnehmer in Beschäftigung durch Beratung und Qualifizierung (wie z.B. Bewerbungstraining, Beratung über Möglichkeiten der Arbeitsplatzsuche oder Vermittlung von elementaren Computerkenntnissen) erhöhen. Das zweite Ziel der Kurzzeitmaßnahmen ist die Feststellung der Aussichten des Arbeitssuchenden am Arbeitsmarkt sowie seiner Eignung für verschiedene berufliche Tätigkeiten, aber auch seiner Arbeitsverfügbarkeit und -bereitschaft. Bereits in den 1980ern und Anfang der 1990er Jahre gab es in Deutschland Kurzzeitmaßnahmen nach §41a AFG, die den modernen Trainingsmaßnahmen sehr ähnlich waren. Während Aktivierung und Kontrolle ein wichtiges Ziel der aktuellen Trainingsmaßnahmen darstellen, konzentrierten sich die früheren Kurzzeitmaßnahmen lediglich auf Unterstützung bei der Arbeitssuche, begrenzte Kenntnisvermittlung und Beratung hinsichtlich zukünftiger Teilnahme an den längeren Weiterbildungsmaßnahmen. Diese Arbeit schätzt Effekte von Kurzzeitmaßnahmen in Westdeutschland, die in den Zeitspannen 1980 bis 1992 und 2000 bis 2003 begonnen wurden, im Hinblick auf zwei Größen: Beschäftigung und Teilnahme an längeren Maßnahmen. Als erste Studie betrachtet die vorliegende Arbeit unter Verwendung von administrativen Daten gleichzeitig einen Zeitraum von achtzehn Jahren in den 1980ern und 1990ern und vier Jahren in den 2000er Jahren, um mittel- und langfristige Beschäftigungseffekte von Kurzzeitmaßnahmen zu untersuchen. Weiterhin ist dies die erste Arbeit, die die Kurzzeitmaßnahmen in den 1980ern und Anfang der 1990er Jahre mit modernen Evaluationsmethoden analysiert. Wir untersuchen die Wirksamkeit der verschiedenen Typen von Kurzzeitmaßnahmen. Da bei den früheren, Kurzzeitmaßnahmen keine Überprüfung und Kontrolle der Arbeitslosen vorgesehen war, unterscheiden wir zwei Typen von Trainingsmaßnahmen in den 2000er Jahren: eine Trainingsvariante mit dem Schwerpunkt Kenntnisvermittlung und eine Kontrollvariante mit Schwerpunkt Überprüfung und Kontrolle der Suchanstrengungen. Nach unserer Einschätzung weisen die Kurzzeitmaßnahmen in den 1980er und 1990er Jahren eine größere Ähnlichkeit mit der Trainingsvariante der aktuellen Trainingsmaßnahmen auf. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Kurzzeitmaßnahmen meistens längerfristige positive (oft signifikante) Beschäftigungseffekte aufweisen. Die Effekte sind besonders stark, wenn die Teilnahme zwischen dem siebten und zwölften Monat der Arbeitslosigkeitsperiode beginnt. Kleinere Effekte ergeben sich für die Kurzzeitmaßnahmen, die während des zweiten Jahres der Arbeitslosigkeitsperiode beginnen. Kurzzeitmaßnahmen mit einem Fokus auf Prüfung und Kontrolle der Suchanstrengungen zeigen etwas kleinere Effekte im Vergleich zur reinen Trainingsvariante. Die Lock-in-Periode war in den 1980er und 1990er Jahren länger im Vergleich zu den frühen 2000er Jahren. Kurzzeitmaßnahmen führen zu einer höheren Teilnahme an längeren Maßnahmen, wobei dieser Effekt in der früheren Zeitperiode viel stärker ausgeprägt war. Die Beschäftigungseffekte von früheren Kurzzeitmaßnahmen weisen keine signifikanten Unterschiede in der Periode zwischen 1980 und 1992 auf, d.h. es gibt keinen Beleg für Konjunktureffekte. Die Tatsache, dass in einigen Fällen langfristige Effekte von Kurzzeitmaßnahmen geschätzt werden, überrascht vielleicht angesichts der kurzen Dauer der Maßnahmen. Diese Maßnahmen stellen keine beträchtliche Humankapitalinvestition dar. Zukünftige Untersuchungen sollten die Hypothese überprüfen, ob positive langfristige Maßnahmeeffekte auf eine höhere Teilnahmequote an längeren Maßnahmen zurückgeführt werden können.

Fitzenberger, Bernd, Olga Orlyanskaya, Aderonke Osikominu und Marie Waller (2008), Deja Vu? Short-Term Training in Germany 1980-1992 and 2000-2003, ZEW Discussion Paper No. 08-038, Mannheim. Download

Autoren

Fitzenberger, Bernd
Orlyanskaya, Olga
Osikominu, Aderonke
Waller, Marie

Schlagworte

short–term training, employment effects, future training participation, administrative data, active labor market programs