Die Nutzung vieler natürlicher Ressourcen über einen Schwellenwert ("threshold" oder "tipping point") hinaus kann verheerende Folgen für Umwelt und Mensch mit sich bringen. Im Zusammenhang mit katastrophalem Klimawandel sind der Abriss des Golfstroms oder das Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds bekannte Beispiele. Aber auch andere natürliche Ressourcen, wie Fischbestände, Weideland oder Wälder besitzen solche Schwellenwerte. Es besteht politischer Konsens darüber, dass das Erreichen solcher Schwellenwerte vermieden werden soll, um potentiell gefährliche Folgen abzuwenden. Allerdings sind natürliche Schwellenwerte mit hohen Unsicherheiten behaftet, die eine Kooperation zur Vermeidung der Katastrophen erschweren könnten. In dieser Arbeit untersuchen wir den Effekt von Unsicherheit auf die Fähigkeit von Akteuren ihre kooperativen Anstrengungen zu koordinieren, um einen kollektiven Schaden zu vermeiden. Zu diesem Zweck führten wir ein Öffentliches-Gut-Spiel mit Schwellenwert in einem Laborexperiment durch und verglichen, ob der Koordinationserfolg durch Kenntnis des Schwellenwerts beeinflusst wird. Insbesondere testeten wir vier verschiedene Arten von Unsicherheit in Bezug auf den Schwellenwert. Zwei der experimentellen Anordnungen beinhalteten Risiko, d.h. der Schwellenwert war durch eine Zufallsvariable mit bekannter Wahrscheinlichkeitsverteilung charakterisiert. In zwei weiteren Anordnungen waren weder der Schwellenwert noch dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung bekannt ("ambiguity"). Die Ergebnisse zeigen, dass sich Unsicherheit im Hinblick auf den Schwellenwert negativ auf die Bereitstellung des öffentlichen Gutes auswirkt. Während alle Gruppen mit bekanntem Schwellenwert erfolgreich den kollektiven Schaden vermieden, konnte dieses Ergebnis unter Unsicherheit nicht reproduziert werden. Obwohl sich die Bereitschaft einen Beitrag zu leisten je nach Konfiguration der Unsicherheit unterschied, waren die Beiträge generell niedriger, wenn den Spielern der genaue Schwellenwert nicht von Anfang an bekannt war. Die Beiträge waren besonders niedrig und schwankend, wenn zusätzlich auch die Wahrscheinlichkeitsverteilung des Schwellenwerts unbekannt war. Das Experiment zeigte darüber hinaus, dass – selbst unter Unsicherheit – eine hohe Bereitstellung des öffentlichen Gutes erreicht wurde, wenn die Akteure frühzeitig die eigene Bereitschaft zum Beitragen signalisierten und Lasten gleichmäßig verteilt waren.

Dannenberg, Astrid, Andreas Löschel, Gabriele Paolacci, Christiane Reif und Alessandro Tavoni (2011), Coordination Under Threshold Uncertainty in a Public Goods Game, ZEW Discussion Paper No. 11-065, Mannheim. Download

Autoren

Dannenberg, Astrid
Löschel, Andreas
Paolacci, Gabriele
Reif, Christiane
Tavoni, Alessandro

Schlagworte

public good, threshold uncertainty, ambiguity, experiment