In der letzten Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 (15. Conference of Parties of the United Nations) haben zwei Dinge eine entscheidende Rolle für den Verhandlungsverlauf gespielt: Erstens, unterschiedliche Ansichten über die Anwendung von Fairnessprinzipien zur Verteilung der Lasten des Klimaschutzes: Die Industrieländer sind hauptverantwortlich für die historischen Treibhausgasemissionen. In den rasant wachsenden Schwellenländern wie China steigen die Emissionen jedoch in einem nie da gewesenen Tempo. Was wäre angesichts dieser Entwicklungen eine faire Verteilung der Lasten? In den Klimaverhandlungen haben unterschiedliche Länder sehr unterschiedliche Vorstellungen über die faire Verteilung. Dieser fehlende Konsens spiegelt sich sehr deutlich in den Position der beiden größten Emittenten, die Vereinigten Staaten und China, wider, die sich beide bislang geweigert haben, einem verbindlichen internationalen Abkommen beizutreten. Zweitens, im Nachgang von Kopenhagen haben viele Länder konkrete Reduktionsziele verkündet, welche jedoch unverbindlich sind. Hier stellt sich die Frage, ob diese unverbindlichen Ankündigungen die Koordination der nationalen Anstrengungen zur Lösung des globalen Klimaproblems verbessern können. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Determinanten von Kooperation in einer Situation, in der sich eine Gruppe von Individuen auf ein Ziel koordinieren muss, um einen Verlust für alle Mitglieder zu vermeiden. Freifahreranreize und Koordinierungsprobleme werden als die Hauptursache für das Scheitern internationaler Kooperation angesehen, vor allem wenn keine glaubwürdigen Bestrafungsmechanismen bei abweichendem Verhalten zur Verfügung stehen. Die verhaltensökonomische Literatur hat jedoch auch gezeigt, dass Menschen sich nicht immer gemäß der Standardtheorie verhalten und dass auch nicht-ökonomische Anreize einen Effekt auf Koordination und Kooperation haben können. Da es sich hierbei vor allem um empirische Fragen handelt, nutzen wir für die Analyse ein ökonomisches Laborexperiment. Dieses baut auf einem Öffentlichen-Gut-Spiel mit Zielschwellenwert von Milinski et al. (2008) auf und erweitert es um zwei Aspekte, die in der Klimapolitik eine zentrale Rolle spielen: Erstens unterscheiden sich die Akteure hinsichtlich ihres Vermögens und ihrer Verantwortung hinsichtlich ihrer historischen Emissionen. Zweitens haben die Akteure die Möglichkeit unverbindliche Reduktionsziele zu verkünden. Das Experiment bestätigt die theoretischen Hypothesen: Die Ankündigung von Reduktionszielen fördert und die Ungleichheit erschwert die Koordinations- und Kooperationsfähigkeit. Die Ergebnisse zeigen dabei deutlich die Bedingungen, die für effektive Koordination erfüllt sein müssen: Alle Gruppen, die sich erfolgreich auf das vorgegebene Ziel koordiniert haben, einigten sich auf ein gemeinsames Fairnessprinzip und lösten die vorhandene Ungleichheit komplett auf. Gescheiterte Gruppen dagegen konnten sich oftmals nicht einigen, in welchem Maß die vorhandene Ungleichheit vermindert werden sollte. In diesem Kontext war die Möglichkeit, Reduktionsziele anzukündigen, sehr erfolgreich bei der Lösung des Koordinierungsproblems.

Autoren

Tavoni, Alessandro
Dannenberg, Astrid
Löschel, Andreas

Schlagworte

experimental economics, threshold public goods game, climate change, inequality, pledge