Trotz der in der jüngeren Vergangenheit festzustellenden verstärkten ökonomischen Forschung im Bereich der öffentlich-rechtlichen Kartellverfolgung sind einige wichtige und politikrelevante Forschungsfragen bislang unbeantwortet geblieben. Ein in diesem Zusammenhang besonders interessantes Themenfeld stellen Studien zu den entsprechenden behördlichen Untersuchungen im Allgemeinen und den Determinanten der Länge solcher Untersuchungen im Besonderen dar. Tiefgreifende Erkenntnisse zu solchen Determinanten würden nicht nur Schlussfolgerungen darüber erlauben, wie die entsprechenden Prozesse in den Behörden verbessert werden können, sondern würden ebenso den verfahrensbeteiligten Unternehmen bei ihrer Ressourcenplanung und -optimierung helfen.

Vor diesem Hintergrund führen wir eine empirische Untersuchung der Kartellentscheidungen der Europäischen Kommission (EK) von 2000 bis 2011 durch. Im Anschluss an eine generelle Beschreibung der entsprechenden Kommissionsaktivitäten durch eine Auswertung genereller deskriptiver Statistiken sowie ausgewählter Zeitreihen, untersuchen wir die Determinanten der Dauer der Entscheidungsfindung der EK. Wir sind dadurch in der Lage, einige zentrale Faktoren der Untersuchungslänge zu identifizieren, wie insbesondere die Geschwindigkeit der EK bei der Aufdeckung der Kartelle, dem Typ der Kartellabsprache, der Art der betroffenen Industrie sowie der Verfügbarkeit eines Kronzeugen. Zusätzlich führt unsere Studie auch zu Tage, dass weder die Anzahl der am Kartell beteiligten Unternehmen noch die Anzahl der am Kartell beteiligten Nationen einen signifikanten Effekt auf die Untersuchungslänge hat. Die gleiche Schlussfolgerung gilt auch für die Anzahl der in den Vorjahren aufgedeckten Kartelle sowie für das Vorliegen eines Wiederholungstäters.

Schlagworte

Competition Policy, Empirical Analysis, Cartels, European Union, Fines, Leniency, Duration of Investigation