Die Aufdeckung von Kartellen wird üblicherweise als Aufgabe von Wettbewerbsbehörden oder Unternehmen mit einer erhöhten Neigung zur Kartellbildung angesehen. In diesem Arbeitspapier argumentieren wir, dass Kunden von bestehenden Kartellen sowohl Anreize als auch Möglichkeiten haben können, erste Indizien für eine Aufdeckung solcher Absprachen zu sammeln und zwar unter Zuhilfenahme marktspezifischer Datensätze. Wir nutzen einen Datensatz bestehend aus rund 340.000 Rechnungspositionen von 36 größeren und kleineren Kunden deutscher Zementhersteller und zeigen, dass ein Preismonitoring-Instrument es insbesondere größeren Nachfragern – bei einer seinerzeitigen Verfügbarkeit der entsprechenden Daten und Methoden – erlaubt hätte, erste Indizien für das im Beschaffungsmarkt bestehende Kartell zu sammeln und zwar vor der öffentlichen Aufdeckung des Kartells durch die Wettbewerbsbehörde. Unsere Ergebnisse legen nicht nur ein signifikantes Kostensenkungspotential – verbunden mit den korrespondierenden Wettbewerbsvorteilen – durch die Beobachtung von Beschaffungsmärkten mit Hilfe von Preismonitoring-Instrumenten nahe, sondern erlauben auch die Schlussfolgerung, dass Wettbewerbsbehörden die Kunden von potentiell kartellierten Industrien als wichtige Alliierte im Kampf gegen Kartelle ansehen sollten.

Hüschelrath, Kai und Tobias Veith (2011), Cartel Detection in Procurement Markets, ZEW Discussion Paper No. 11-066, Mannheim. Download

Schlagworte

Business economics, procurement, antitrust policy, cartels, detection, screening