Das Europäische Emissionshandelssystem (EU-EHS) ist ein Kernbestandteil der Europäischen Klimapolitik. Derzeit werden allein in Deutschland die Treibhausgasemissionen von rund 800 Unternehmen durch dieses Instrument reguliert. Die regulierten Unternehmen unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer Größe, Produktionsprozessen und der Menge der ausgestoßenen Emissionen. Dieses Arbeitspapier untersucht die mit den Verpflichtungen des EU-EHS verbundenen Strategien und Managementpraktiken. Auf Basis von strukturierten Tiefeninterviews mit verantwortlichen Managern werden die Vorgehensweisen von sechs regulierten Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen beleuchtet und vor dem Hintergrund der Befragungsergebnisse des KfW/ZEW CO2 Barometers in den Jahren 2011 und 2012 analysiert.

Die Untersuchung zeigt, dass sich die angewandten Praktiken stark unterscheiden und von den bereits bestehenden Organisationstrukturen, dem Produktionsprozess, der Größe des Unternehmens, der Menge der ausgestoßenen Emissionen sowie der Höhe der freien Allokation abhängen. Große Emittenten von CO2 und Unternehmen der Energiebranche können auf vorhandene Organisationsstrukturen zurückgreifen, um regelmäßig mit Emissionszertifikaten zu handeln. Im Gegensatz dazu verhalten sich kleine Emittenten von CO2 und Industrieunternehmen deutlich passiver und sind auf die Dienstleistungen von Intermediären angewiesen, um Transaktionskosten zu minimieren. Die Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung von CO2-Emissionen wird selbst durch große Unternehmen dezentral organisiert. Die hier entstehenden Kosten stellen ebenfalls eine Belastung für kleine Emittenten dar. Große Emittenten entwickeln eigene Vermeidungstechnologien, während sich kleine Emittenten mit neuen Technologien von Maschinen- und Anlagenherstellern eindecken. Die geführten Interviews bestätigen die Ergebnisse des KfW/ZEW CO2 Barometers und zeigen, wie unterschiedlich die institutionelle Anpassung an die Regulierung durch das EU-EHS ausfallen kann. Der Umstand, dass die regulierten Unternehmen völlig unterschiedlichen Voraussetzungen gegenüber stehen, führt dazu, dass die Pflichterfüllung für einen Teil der Unternehmen eine größere Herausforderung darstellt. Eine optimale Gestaltung von Treibhausgasregulierung sollte daher die Heterogenität der regulierten Unternehmen berücksichtigen.