Seit dem ersten Quartal 2002 führt das ZEW in Zusammenarbeit mit Creditreform eine Konjunkturumfrage bei Dienstleistern der Informationsgesellschaft durch. Vierteljährlich werden etwa 4000 Unternehmen angeschrieben und zu ihrer Geschäftsentwicklung befragt. Von den angeschriebenen Unternehmen beteiligen sich regelmäßig etwa 1000.
Vorläufer dieser Befragung war die Umfrage bei unternehmensnahen Dienstleistern, die ZEW/Creditreform zwischen 1994 und 2001 vierteljährlich durchgeführt haben. Im Jahr 2002 wurde die Umfrage auf IKT-intensive Dienstleistungsbranchen fokussiert, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) inzwischen insbesondere in Unternehmen des Dienstleistungssektors weit verbreitet sind und dort den Arbeitsalltag der Beschäftigten prägen.
Befragt werden sowohl IKT-Dienstleister selbst als auch Unternehmen, die IKT intensiv nutzen, sogenannte wissensintensive Dienstleister. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Strukturwandels, der durch IKT hervorgerufen wird, stellen die Unternehmen der befragten Branchen eine wichtige Stütze der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dar. Da die Datenlage sowohl in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung als auch in Bezug auf wichtige Strukturmerkmale IKT-intensiver Dienstleistungsbranchen noch sehr lückenhaft ist, verringert die Umfrage ein gravierendes Wissensdefizit. Neben der konjunkturellen Entwicklung des Wirtschaftszweigs Dienstleister der Informationsgesellschaft bilden Fragen zu Investitionen in IKT und zur Diffusion von IKT einen weiteren Schwerpunkt der Umfrage. Darüber hinaus werden regelmäßig Hintergrunddaten z.B. über die Anzahl und die Qualifikation der Mitarbeiter, über Aus- und Weiterbildungsaktivitäten sowie über die Innovationstätigkeiten der Unternehmen erfragt.
Zur Abgrenzung der IKT-Dienstleister greift die Konjunkturumfrage von ZEW und Creditreform auf die Definition des IKT-Sektors der OECD zurück. Zu den IKT-Dienstleistern gehören folgende Branchen (Wirtschaftszweig Klassifikation 2003 in Klammern): Software und IT-Dienste (72.10-72.60 Datenverarbeitung und Datenbanken sowie 71.33 Vermietung von Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten und -einrichtungen), IKT-Handel (51.43.1, 51.43.3-3.4 Großhandel mit elektronischen Erzeugnissen und Zubehör und 51.84.0 Großhandel mit Büromaschinen und Software sowie 52.45.2, 52.49.5-9.6 Einzelhandel mit elektronischen Geräten und Zubehör sowie mit Computern und Software) und Telekommunikationsdienstleister (64.3 Fernmeldedienste).
Zu den wissensintensiven Dienstleister zählen Branchen, die Expertenwissen, Informationen, Problemlösungsansätze, Beratungs-, Forschungs- und Entwicklungsleistungen anbieten. In ihrer Leistungserstellung zeichnen sie sich durch eine hohe Intensität an IKT und durch eine hohe Forschungs- und Entwicklungs-Intensität aus. Die Umfrage fasst als wissensintensiven Diensleister folgende Branchen zusammen (Wirtschaftszweig Klassifikation 2003 in Klammern): Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung (74.12.0-2.5), Unternehmensberatung (74.11 Rechtsberatung und 74.14.1 - 4.2 Unternehmensberatung sowie 74.13.1-3.2 Markt- und Meinungsforschung), Architekturbüros (74.20.1-0.4), technische Beratung und Planung (74.20.5-0.9), Forschung und Entwicklung (73.10.1-0.5, 73.20.1-0.2) und Werbung (74.40.1-0.2).
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Dienstleistungssektors im Vergleich zum produzierenden Gewerbe kontinuierlich zugenommen. Dies zeigt sich sowohl an einem steigenden Beitrag des Dienstleistungssektors zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung als auch am Anstieg der Erwerbstätigkeit in diesem Sektor. Gemessen am steuerbaren Umsatz entfallen 2005 knapp acht Prozent des steuerbaren Umsatzes insgesamt auf den Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft.
Seit dem vierten Quartal 2003 wird auf der Basis der Umfrageergebnisse ein Stimmungsindikator für den Wirtschaftszweig Dienstleister der Informationsgesellschaft berechnet, der ZEW-Indikator der Dienstleister der Informationsgesellschaft (ZEW-IDI). Der Stimmungsindikator kann Werte von 0 bis 100 annehmen. Werte größer als 50 weisen auf eine Verbesserung der konjunkturellen Stimmung im Vergleich zum Vorquartal hin, Werte kleiner als 50 auf eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorquartal. Ausführliche Informationen zur Entwicklung und Berechnung des ZEW-IDI bietet die ZEW-Dokumentation Nr. 03-09
Die Ergebnisse der Umfrage werden zunächst im Branchenreport Dienstleister der Informationsgesellschaft veröffentlicht. Dieser wird den teilnehmenden Unternehmen etwa 2-3 Wochen nach Ablauf des Quartals zugesandt und zu diesem Zeitpunkt auch als Download auf den Internetseiten des ZEW bereitgestellt. Ausgewählte Ergebnisse werden außerdem in den Konjunktur- und Wachstumsanalysen des ZEW publiziert und über das Internet und die Presse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Auswertung der Umfrage spielt auch für die wissenschaftliche Arbeit am ZEW eine Rolle. Die Forschung konzentriert sich dabei vor allem auf die Bereiche Arbeitsmarkt- und Industrieökonomik.