Die Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung innerhalb der Europäischen Union steht seit Jahren auf der Agenda der Europäischen Kommission. Die Nivellierung des innereuropäischen Steuergefälles würde die Standortneutralität der Besteuerung garantieren und zugleich einen steuerlich unverzerrten Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt sichern. In diesem Kontext analysiert der Beitrag die Belastungskonsequenzen der derzeit vorherrschenden uneinheitlichen Ausgestaltung der Unternehmensbesteuerungsregime in den EU 27. Zu diesem Zweck wird auf zwei zentrale Maßgrößen zurückgegriffen: die Kapitalkosten sowie die effektive Durchschnittssteuerbelastung. Die Berechnungen auf Grundlage der Methodik nach Devereux und Griffith erlauben dabei die Messung der Steuerbelastung auf rein inländische als auch auf grenzüberschreitende (Direkt‐)Investitionen. Es werden die aktuellsten verfügbaren Berechnungsergebnisse für das Jahr 2007 ebenso ausführlich betrachtet wie die Entwicklungen entlang der Zeitachse ab dem Jahr 1998. Letztlich ergibt sich so ein aktuelles Bild der europäischen Unternehmensbesteuerung, das von seiner geographischen Abdeckung sowie mit Blick auf die durchgeführten Berechnungen umfassender ist als bisherige Studien. Im Jahr 2007 zeichnen sich erhebliche Unterschiede in den nationalen effektiven Steuerbelastungen zwischen den alten und neuen Mitgliedstaaten der EU ab. Letztere liegen dabei ‐ mit Ausnahme weniger westeuropäischer Länder wie etwa Irland – deutlich unter dem Niveau der alten Mitgliedstaaten. Allerdings offenbart die Analyse der Steuerbelastungen über die Zeit seit 1998, dass - nach einer Phase massiver Steuersenkungen seitens der Beitrittsstaaten - insbesondere nach 2004 auch Staaten der EU15 vermehrt Anstrengungen zur Senkung ihrer Effektivbelastungen unternommen haben. Die Analyse der effektiven Durchschnittssteuerbelastungen auf grenzüberschreitende Investitionen offenbart die klare Dominanz des Prinzips der Kapitalimportneutralität in der EU. Die somit nicht realisierte Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung impliziert Produktionsineffizienzen aufgrund steuerlich verzerrter Investitions‐ und Standortentscheidungen sowie Wettbewerbsverzerrungen. Die zunehmende Umsetzung der Kapitalimportneutralität im Gegensatz zur Kapitalexportneutralität lässt sich auch anhand der entsprechenden Zeitreihen von 1998 bis 2007 nachweisen.

Autoren

Elschner, Christina
Heckemeyer, Jost Henrich
Spengel, Christoph

Schlagworte

Effektive Steuerbelastung, Europäische Union, Unternehmensbesteuerung