Die Marktentwicklungen im internationalen Luftverkehr haben zur Dominanz dreier großer und global agierender Allianzen von Fluggesellschaften geführt - Star, SkyTeam und oneworld. Parallel dazu wurden Mitgliedern dieser Allianzen mehr und mehr Freiheiten bei der Koordination verschiedener Betriebsabläufe zugestanden, wie beispielsweise im Bereich der Flugplanung oder Preissetzung aber auch im Hinblick auf das Recht, Erlösaufteilungen in internationalen Märkten vorzunehmen. Obwohl unstrittig ist, dass Kooperationen zwischen Fluggesellschaften signifikante Vorteile für die Konsumenten generieren, lösen die aktuell beobachtbaren Entwicklungen die Frage nach einer wettbewerbspolitischen Einschätzung aus. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Aufsatz das Ziel, die identifizierten zentralen wettbewerblichen Effekte von Luftverkehrsallianzen und der Gewährung von Antitrust-Immunität zu vergleichen mit den ökonomischen Argumentationslinien in jüngeren Entscheidungen der jeweils zuständigen Behörden. Aus diesem Vergleich lassen sich dann in der Folge Empfehlungen für eine vollständige Analyse der ökonomischen Wirkungen der Gewährung von Antitrust-Immunität ableiten. Unsere Schlussfolgerungen sind die folgenden. Erstens, die vielfach postulierten niedrigeren Preise aufgrund des Wegfalls des doppelten Preisaufschlags in der Folge der Gewährung von Antitrust Immunität erscheinen aus theoretischer Sicht nicht offensichtlich und könnten auch durch Kooperationen ohne Antitrust-Immunität erzielt werden. Diese Schlussfolgerung mag allerdings nicht für andere Arten immunitätsspezifischer Effizienzvorteile zutreffen. Zweitens, Antitrust-Immunität kann einen Einfluss auf die nichtpreislichen Charakteristika von Luftverkehrsmärkten haben - mit ex-ante nicht eindeutigen Wohlfahrtswirkungen. Drittens, Antitrust-Immunität kann die Entwicklung der individuellen Netzwerke der Fluggesellschaften einschränken, kann kollusive Verhaltensweisen erleichtern und zu einer Abschottung der Interline-Märkte für allianzfremde Fluggesellschaften führen. Viertens, die bisher verwandten Auflagen wie beispielsweise 'carve-outs' haben nicht eindeutige Wohlfahrtswirkungen da sie zwar einerseits Wettbewerb auf überlappenden Strecken erhalten aber gleichzeitig die Realisierung bestimmter immunitätsspezifischer Effizienzvorteile verhindern. Fünftens, während in den USA die institutionellen Strukturen hinter Untersuchungen von Antitrust-Immunität Reformbedarf erkennen lassen, sollte die EU an einer Beschleunigung der Entscheidungsfindungsprozesse arbeiten.

Bilotkach, Volodymyr und Kai Hüschelrath (2010), Antitrust Immunity for Airline Alliances, ZEW Discussion Paper No. 10-080, Mannheim, erschienen in: Journal of Competition Law and Economics. Download