Zur Reformierung des Sozialstaates werden in Deutschland verschiedene Grundeinkommenskonzepte diskutiert. Ein besonders prominentes Konzept ist das von Dieter Althaus vorgeschlagene Solidarische Bürgergeld. Ziel eines solchen Grundeinkommens soll u.a. die Entkopplung der sozialen Absicherung von der Erwerbsarbeit sein. Dadurch soll der Arbeitslosigkeit sowie nicht existenzsichernden Einkommen entgegengewirkt werden, ohne die Finanzierbarkeit des Sozialstaates zu gefährden. Das bedingungslose Grundeinkommen sieht vor, mit Hilfe einer negativen Einkommenssteuer jedem Bürger ein Mindesteinkommen in Höhe von 600 Euro zu sichern. Alle bisherigen Sozialtransfers zur Grundsicherung würden durch das Grundeinkommen ersetzt werden. Der Reformvorschlag enthält außerdem eine Bürgerpauschale für die Krankenversicherung sowie die Umstellung der Gesetzlichen Rentenversicherung auf eine steuer-finanzierte Bürgergeldrente. Die Finanzierung des Grundeinkommens soll über eine zweistufige "at tax" mit einer Transferentzugsrate von 50 Prozent und einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent erfolgen. Unser Beitrag analysiert die Effekte des Althaus-Vorschlags sowie zweier budget-neutraler Alternativen auf das Arbeitsangebot und die Einkommensverteilung. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf den Arbeitsanreizen für Zweitverdiener im Familienkontext. Wir verwenden ein detailliertes Mikrosimulationsmodell zur Simulation der Reform und ein strukturelles Modell zur Schätzung des Arbeitsangebots. Die Analysen basieren auf den Daten des Sozio-oekonomischen Panels. Unsere Simulationsergebnisse zeigen, dass die Einführung des Solidarischen Bürgergeldes zu einem Defizit im Staatshaushalt gegenüber dem Status quo in Höhe von ca. 250 Milliarden Euro führen würde. Wir betrachten daher zusätzlich zwei budgetneutrale Alternativen: Eine Variante mit höherem Steuersatz und eine Variante mit höherer Transferentzugsrate. Die Ergebnisse unserer Analysen zeigen, dass aufgrund der niedrigen Steuersätze des Althaus-Vorschlags das Arbeitsangebot steigen würde, während die beiden budgetneutralen Alternativen ein sinkendes Arbeitsangebot zur Folge hätten. Der Vergleich der Arbeitsangebots- und Verteilungseffekte zeigt, dass bei positiver Entwicklung des Arbeitsangebots negative Auswirkungen auf die Einkommensverteilung zu erwarten sind und umgekehrt. Dies zeigt den generellen Zielkonflikt zwischen Effizienz und Gleichheit. Desweitern führt der Verzicht auf eine Bedarfsprüfung insbesondere für Familien zu stark ansteigenden Einkommen und somit zu einem hohen Einkommenseffekt, der sich negativ auf das Arbeitsangebot von Paarhaushalten auswirkt. Gleichzeitig erzeugt das Grundeinkommenskonzept an sich noch zusätzlich negative Arbeitsanreize für Zweitverdiener.

Schlagworte

Basic income, negative income tax, at tax, female labor supply