Der Ministerrat der Europäischen Union hat sich im März 2007 zu einer ambitionierten Klimapolitik verpflichtet: Falls kein internationales Klimaschutzabkommen für die Zeit nach dem Kyoto-Protokoll zustande kommt, sollen die Treibhausgas-Emissionen der EU bis zum Jahr 2020 um 20% gegenüber 1990 reduziert werden. Eine solche unilaterale EUKlimapolitik könnte jedoch die europäische Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen und ihre Umweltwirksamkeit durch die Verlagerung energieintensiver Industrien ins nichteuropäische Ausland unterlaufen. Zur Abfederung dieser Effekte können Politikmaßnahmen wie Umweltzölle („Border Tax Adjustments”) oder projektbasierte Emissionsreduktionen in Entwicklungsländern ("Clean Development Mechanism") im EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) eingesetzt werden. Mit Hilfe eines multiregionalen und multisektoralen berechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodells der Weltwirtschaft untersucht dieses Papier die makroökonomischen Implikationen beider Politikmaßnahmen. Die quantitativen Simulationsergebnisse zeigen, dass Umweltzölle ein geeignetes Instrument zur Abfederung der negativen Effekte auf die europäische Wettbewerbsfähigkeit darstellen. Allerdings geht eine solche Kompensation durch Umweltzölle zu Lasten der Sektoren, die vom EUEmissionshandel ausgenommen sind. Die Simulationen zeigen zudem, dass ein beschränkter Zugang zu projektbasierten Emissionsreduktionen in Entwicklungsländern vergleichbare Produktionseffekte für energie- und exportintensive Industrien der EU impliziert wie das anspruchsvollste Umweltzoll-Regime. Die Ermöglichung regionaler Flexibilität der Emissionsvermeidung mit Hilfe des "Clean Development Mechanism" kann somit eine attraktive marktbasierte Alternative zur Erhebung von Umweltzöllen darstellen, um die nachteiligen ökonomischen Auswirkungen unilateraler Klimapolitik abzufedern.

Schlagworte

Emissions Trading, EU ETS, Competitiveness, Border tax adjustments, Clean Development Mechanism, CGE model