Wir analysieren die Konsumentenwohlfahrtseffekte von horizontalen Fusionen in Luftverkehrsnetzen. Basierend auf der Entwicklung einer Klassifikation von potentiell betroffenen Streckenmärkten untersuchen wir mit Hilfe eines Differenz-von-Differenzen-Ansatzes die Preiseffekte der im Jahre 2005 abgeschlossenen Fusion von America West Airlines (HP) und US Airways (US). In Abgrenzung zur existierenden Literatur beschränken wir unsere Analyse nicht nur auf die (hub-zu-hub oder hub-zu-spoke) Direktflug-Streckenmärkte, sondern untersuchen auch mögliche Preiseffekte durch den Verlust von Wettbewerbern auf qualitativ minderwertigen Umsteigeverbindungen.

Unsere Schätzungen auf der Strecke-Fluggesellschaft-Ebene zeigen – für alle Streckentypen – dass zwei Jahre nach dem Abschluss der Fusion 6,4 Prozent höhere Durchschnittspreise als auf den Vergleichsrouten über den gleichen Zeitraum zu beobachten waren. Die Einführung einer Routenklassifikation offenbart hingegen eine substantielle Variation in den fusionsinduzierten Preiseffekten. Während die Durchschnittspreise auf Direktflug-Streckenmärkten um 9,4 Prozent höher waren als auf den Vergleichsrouten, zeigen Routen auf denen die Fusion zu einer Eliminierung von Umsteigewettbewerb durch US geführt hat Preiserhöhungen von 11,1 Prozent; dieses Ergebnis suggeriert, dass HP signifikant in seiner Preissetzung durch das qualitativ minderwertige Produkt 'US Umsteigeverbindung' restringiert wurde. Interessanterweise finden wir keine robusten Belege für die umgekehrte Richtung, das heißt, der Verlust von HP Umsteigeverbindungen lässt die Durchschnittspreise nach der Fusion auf den entsprechenden Direktflugverbindungen unverändert. Für die Streckenmärkte ohne Überlappungen ergeben sich auch unterschiedliche Ergebnisse. Während wir einen substantiellen und hoch signifikanten Preisrückgang von durchschnittlich 8,3 Prozent für US Streckenmärkte finden, zeigt der korrespondierende Koeffizient für HP Routen keine signifikante Änderung der Durchschnittspreise. Nicht zuletzt liefert unsere Analyse auch Belege dafür, dass sich – für die meisten Routentypen – die Durchschnittspreise zwischen den Fusionsparteien und deren Wettbewerbern auf den jeweiligen Routen nicht signifikant voneinander unterscheiden; dies gilt sowohl für Preisansteige als auch für Preisreduktionen nach der Fusion.

Hüschelrath, Kai und Kathrin Müller (2013), Airline Networks, Mergers, and Consumer Welfare, ZEW Discussion Paper No. 13-028, Mannheim. Download

Autoren

Hüschelrath, Kai
Müller, Kathrin

Schlagworte

Airline industry, merger, market power, consumer welfare, price effects