Die Marktentwicklungen im internationalen Luftverkehr haben zur Dominanz dreier großer und global agierender Allianzen von Fluggesellschaften geführt - Star, SkyTeam und oneworld. Als Teil einer ganzheitlichen Untersuchung der wettbewerblichen Effekte solcher Allianzen hat die theoretische Literatur die Hypothese aufgestellt, dass die Mitglieder einer solchen Allianz möglicherweise einen Anreiz haben, Märkte für Zubringerflüge für Fluggesellschaften zu verschließen, die nicht Mitglied in der jeweiligen Allianz sind. In diesem Zusammenhang wird auch behauptet, dass die Implementierung solcher Abschottungsstrategien dann am effektivsten ist, wenn die Allianzmitglieder die Preise der Interline-Verbindungen absprechen und die dadurch generierten Umsätze untereinander aufteilen dürfen - also Antitrust-Immunität genießen. Dieser Aufsatz analysiert und quantifiziert die Effekte einer solchen Form der Abschottung in Luftverkehrsmärkten. Wir führen eine umfassende empirische Analyse auf Basis von Daten für direkte Linienflüge für Passagiere im transatlantischen Markt zwischen Europa und den USA durch. Durch die Zusammenführung dieser Daten mit Daten zur Struktur der Streckennetze der Fluggesellschaften und der dynamischen Entwicklung der Luftverkehrsallianzen für den Zeitraum von 1992 bis 2008 sind wir in der Lage zu untersuchen, ob die Fluggesellschaften mit Antitrust-Immunität Schritte unternehmen, die Interlining-Passagiere von außenstehenden Fluggesellschaften auszuschließen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Gewährung von Antitrust-Immunität zu einer 2,5-6%-igen Reduktion der Flugfrequenzen (zu den jeweiligen 'immunisierten Drehkreuzen') derjenigen Fluggesellschaften führt, die nicht der betreffenden Allianz angehören. Der Effekt auf das Passagieraufkommen ist noch deutlicher. Es findet sich ein Rückgang zwischen 4,8% und 8,5% bei der 'fixed effects' Modellierung bzw. zwischen 2,6% und 3,5% bei GMM. Grundsätzlich ist der Effekt auf das Passagieraufkommen 1,5 bis 2 Mal stärker als bei den Flugfrequenzen. Die Ergebnisse legen nahe, dass abgeschottete Fluggesellschaften zu kleineren Flugzeugen wechseln oder aber niedrigere Auslastungen ihrer Flüge zu den jeweiligen 'immunisierten Drehkreuzen' zu verzeichnen haben. Darüber hinaus finden wir (wenn auch schwächere) Belege dafür, dass die Gewährung von Antitrust-Immunität zu einem niedrigeren Passgieraufkommen auf Strecken zwischen im Wettbewerb stehenden Drehkreuzen führt.

Bilotkach, Volodymyr und Kai Hüschelrath (2010), Airline Alliances, Antitrust Immunity and Market Foreclosure, ZEW Discussion Paper No. 10-083, Mannheim, erschienen in: Review of Economics and Statistics. Download

Autoren

Bilotkach, Volodymyr
Hüschelrath, Kai

Schlagworte

Air transportation, alliances, antitrust immunity, foreclosure