In den vergangenen Jahren haben sich viele öffentliche Forschungseinrichtungen in zunehmendem Grad kommerziell ausgerichtet. Forscher werden ermutigt, aktiv in Innovationsprojekten mitzuarbeiten, ihre Arbeit zu patentieren, gemeinsam mit der Industrie zu forschen oder ein Unternehmen zu gründen. Die mit einem solchen Technologietransfer von der öffentlichen Forschung in die Praxis einhergehenden Vorteile bringen jedoch auch Probleme mit sich. So führt die Finanzierung eines Forschungsprojektes durch die Industrie oftmals dazu, dass Forschungsvorhaben an den Interessen der Industrie ausgerichtet werden. Dies beinhaltet eine Abkehr von Grundlagen- hin zur angewandten Forschung sowie ein Zurückhalten von Forschungserbnissen, damit diese patentiert und Innovationsrenditen angeeignet werden können. Darüber hinaus könnten Forscher weniger bereitwillig ihre Daten und anderen Forschungsmaterialien mit anderen Forschern teilen, um die Validität und Replizierbarkeit der Ergebnisse zu überprüfen.

In diesem Artikel untersuchen wir die Beziehung zwischen externer Finanzierung von Forschungsprojekten und hier insbesondere Industriefinanzierung und der Entscheidung von Forschern, Forschungsinputs zurückzuhalten oder selbst einmal keinen Zugang zu Forschungsinputs erhalten zu haben. Wir nutzen Daten aus einer umfangreichen Befragung deutscher Wissenschaftler und finden, dass – kontrolliert für individuelle Charakteristika, Forschungscharakteristika, institutionelle Zugehörigkeit und Disziplin – Industriefinanzierung tatsächlich mit der Verweigerung des Zugangs zu Forschungsinputs korreliert. Demgegenüber hat Industriefinanzierung keine Beziehung dazu, ob ein Wissenschaftler selbst schon einmal keinen Zugang erhalten hat. Unsere Ergebnisse haben Implikationen für Wissenschaftseinrichtungen und Forschungsfinanzierungsorganisationen.

Autoren

Czarnitzki, Dirk
Grimpe, Christoph
Pellens, Maikel

Schlagworte

open science, research funding, industry sponsorship, research inputs