Die empirische Literatur dokumentiert ein beachtliches Maß an Arbeitseinkommensrisiken, insbesondere verursacht durch das Risiko arbeitslos zu werden. Die meisten Länder stellen eine Versicherung gegen diese Einkommensrisiken in Form von Arbeitslosenunterstützung zur Verfügung was, ceteris paribus, die Wohlfahrt risiko-averser Haushalte erhöht. Die Zahlung von Arbeitslosengeld entmutigt jedoch arbeitslose Haushalte, Suchanstrengungen zu unternehmen, sodass die Arbeitslosenquote steigt und die Produktionsleistung abnimmt. Bei der Wahl des Arbeitslosenversicherungssystems müssen die Regierungen daher die Wohlfahrtsgewinne einer Versicherung gegen die Wohlfahrtsverluste einer falschen Anreizsetzung abwägen. Die jüngsten großen Arbeitsmarktreformen in Deutschland (Hartz Reformen) traten 2005 und 2006 in Kraft. Mit der Reform von 2005 wurden die Zahlungen an Langzeitarbeitslose drastisch reduziert, wohingegen die Reform aus dem Jahr 2006 die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I verkürzte. Beide Reformen zielten darauf ab, verstärkt Suchanreize zu schaffen. Während die Auswirkungen dieser Reformen auf die Beschäftigung und Produktionsleistung zweifellos positiv sind, ist es aufgrund des verlorenen Versicherungsschutzes a priori nicht klar, wie das neue Versicherungssystem von den Haushalten bewertet wird. Die Bewertung dieser Reformen, die sogenannten Wohlfahrtseffekte, ist das geeignete Erfolgsmaß aus Sicht der Gesellschaft und kann nur auf Basis eines theoretischen makroökonomischen Modells ermittelt werden. Ziel dieses Papiers ist es, ein makroökonomisches Modell zu entwickeln, es zu kalibrieren und die quantitativen Effekte der Hartz Reformen auf Arbeitslosigkeit, Wachstum, und Wohlfahrt zu evaluieren. Unsere Ergebnisse sind wie folgt: Erstens, die Reform von 2005 hat, ceteris paribus, große Beschäftigungseffekte. Die Arbeitslosenquote sinkt um etwa 1,1 Prozentpunkte von 7,5 v.H. auf 6,4 v.H. Dies führt zweitens zu einem beachtlichen Anstieg der Produktionsleistung. Drittens, sowohl Beschäftigte als auch Kurzzeitarbeitslose profitieren von den Reformen und realisieren signifikante Wohlfahrtsgewinne. Demzufolge dominiert für diese Gruppe der positive Anreizeffekt den Verlust an Versicherung. Viertens, die Effekte der Reform von 2006 sind qualitativ vergleichbar, quantitativ jedoch substanziell geringer. Abschließend führt eine weitere Reduktion des Arbeitslosengelds II lediglich zu geringen zusätzlichen Wohlfahrtsgewinnen.

Schlagworte

Dynamic General Equilibrium, Heterogenous Agents, Human Capital, Labor Market Search, Unemployment Insurance, German Labor Market Reform