Wohnungsanbieter in Baden-Württemberg planen, ihren Bestand an barrierefreiem Wohnraum um elf Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erweitern. Diese Erweiterung soll zu etwa 80 Prozent durch Neubaumaßnahmen realisiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von 73 baden-württembergischen Wohnungsunternehmen und -genossenschaften, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie der Universität Mannheim im Auftrag der L-Bank, Staatsbank für Baden-Württemberg, von Februar bis April 2013 durchgeführt hat.

Die befragten Wohnungsanbieter vermieten einen Gesamtbestand von rund 103.000 Wohneinheiten. Das entspricht etwa 20 Prozent des Gesamtbestands kommunaler Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften in Baden-Württemberg. Wohnungen mit barrierefreiem Zugang sind über weniger als drei Stufen zum Haus oder zur Wohnung beziehungsweise über Lifter, Rampen oder Fahrstuhl zugänglich.

Barrierefreie Wohnungen zeichnen sich dadurch aus, dass innerhalb der Wohnung beispielsweise keine Treppen zu überwinden sind, eine bodengleiche Dusche vorhanden ist oder die Türbreiten ausreichend Bewegungsfreiheit für die Fortbewegung mit Stock, Rollator oder Rollstuhl bieten. Dass barrierefreier Wohnraum überwiegend im Neubau umgesetzt wird, erklärt sich vor allem daraus, dass sich bereits bestehende Wohnungen oft nur für sehr viel Geld oder gar nicht barrierefrei umbauen lassen. Diese Einschätzung spiegelt sich in den Kostenschätzungen der befragten Wohnungsanbieter wider: Sie gehen davon aus, dass es durchschnittlich etwa 17.500 Euro kostet, bestehende Barrieren wie zu enge Türen oder nicht altersgerechte Bäder zu beseitigen. Für einen barrierefreien Neubau hingegen rechnen sie mit Mehrkosten von lediglich etwa 12.500 Euro.

Die befragten Anbieter schätzen, dass die Mieter bereit sind, für barrierefreien Wohnraum durchschnittlich eine um 0,58 Euro höhere Monatsmiete pro Quadratmeter zu zahlen. Allerdings können bei bereits bestehenden Mietverhältnissen nach einem Umbau Probleme hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit oder Zahlungsbereitschaft der Mieter auftreten. Wie die Umfrage weiter zeigt, gehen zwei Drittel der befragten Wohnungsanbieter davon aus, dass auch Mieter, die jünger als 65 Jahre sind, barrierefreien Wohnraum attraktiv finden.

Altersgerechtes Wohnen wird in Zukunft eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung sein. Die befragten Wohnungsanbieter geben an, dass bereits heute etwa ein Drittel ihrer Mieter älter als 65 Jahre sind und etwa acht Prozent älter als 80 Jahre. Diesen Mietern stehen jedoch lediglich vier Prozent an Wohnungen gegenüber, bei denen sowohl der Zugang als auch die Wohnung selbst barrierefrei gestaltet sind.

Allein in Baden-Württemberg wird die Anzahl der über 60-Jährigen laut der regionalen Bevölkerungsvorausberechnung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zwischen 2012 und 2030 von 2,75 Millionen auf 3,71 Millionen Personen oder um knapp 35 Prozent steigen. Zeitgleich nimmt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von 25,6 Prozent auf 33,8 Prozent zu. In noch stärkerem Maße steigt in Baden-Württemberg die Anzahl der mindestens 80-Jährigen von 565.000 auf 853.000 Personen. Dies entspricht einer Zunahme von 51 Prozent.

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