Digitale Vernetzung der Unternehmen – der Privatkunde kommt oftmals zuletzt

Forschung

Relativ gering ausgeprägt ist die digitale Vernetzung mit Akteuren am Ende der Wertschöpfungskette: Privatkunden und die Logistik.

Mit der digitalen Transformation vernetzen Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten. Jedoch sind bislang lediglich ein Drittel der Unternehmen in der deutschen gewerblichen Wirtschaft mit ihren Privatkunden digital vernetzt. Deutlich weiter verbreitet ist die Vernetzung mit den Geschäftskunden und Lieferanten. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2017 - Kompakt, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, gemeinsam mit Kantar TNS im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erstellt hat.

Während sich die Wirtschaft schon seit Jahrzehnten digitalisiert, ist die Vernetzung das neue Element, durch das sich die derzeit stattfindende digitale Transformation auszeichnet. Die digitale Vernetzung ermöglicht den Austausch von Informationen zwischen Wertschöpfungsstufen und somit Effizienzvorteile. Gleichzeitig können Geschäfts- und Privatkunden in die Wertschöpfung einbezogen werden und so wichtige Impulse für Verbesserungen und Innovationen liefern.

Insgesamt 61 Prozent der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sind mit ihren Geschäftskunden digital vernetzt und 51 Prozent mit ihren Lieferanten. In 46 Prozent der Unternehmen sind die Produktion oder Dienstleistungserstellung digital vernetzt.

Nur was digitalisiert ist, lässt sich (technisch) vernetzen

Es überrascht nicht, dass Branchen, die ohnehin einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, auch ihre Prozesse innerhalb der Produktion oder Dienstleistungserstellung intensiver digital vernetzt haben, sagt Prof. Dr. Irene Bertschek, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs Informations- und Kommunikationstechnologien. An erster Stelle liegt hierbei die IKT-Branche, in der drei Viertel der Unternehmen ihre Produktion oder Dienstleistungserstellung digital vernetzt haben. Danach folgen gleichauf mit jeweils 66 Prozent die Finanz- und Versicherungsbranche und die Wissensintensiven Dienstleister.

Diese Branchen arbeiten überwiegend nicht nur mit digitalen Insellösungen für einzelne Produktionsprozesse, sondern haben diese miteinander vernetzt. Dadurch kann ein Austausch von Informationen und Daten stattfinden, der eine effiziente Gestaltung der Prozesse ermöglicht. Aufholbedarf besteht in den Branchen Gesundheitswesen sowie Verkehr und Logistik. Im Gesundheitswesen dürften es mitunter regulatorische Rahmenbedingungen sein, die eine umfassende digitale Vernetzung und einen Austausch von Daten erschweren. In Verkehr und Logistik selbst findet oftmals keine Produktion oder Dienstleistungserstellung statt, das heißt die digitale Vernetzung ist in diesem Bereich weniger relevant, erklärt Irene Bertschek.

Knapp ein Drittel der Unternehmen vernetzt Produktion und Logistik

Deutlich geringer ausgeprägt ist die digitale Vernetzung mit Akteuren, die am Ende der Wertschöpfungskette stehen. Knapp ein Drittel der Unternehmen, insbesondere große Unternehmen sowie Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Handel, vernetzen Produktion und Logistik. Gegenläufig stellt sich das Größenmuster bei der Vernetzung mit Privatkunden dar. Etwa ein Drittel der Unternehmen geben an, mit ihren Privatkunden digital vernetzt zu sein, darunter vor allem kleine Unternehmen und Dienstleistungsunternehmen. Sie können beispielsweise relativ günstige Social Media-Anwendungen für Marketingzwecke und für das Einholen von Kundenfeedback nutzen.

„Vor dem Hintergrund, dass Untersuchungen für die Einbeziehung der Privatkunden als Impulsgeber in einem offenen Innovationsprozess sprechen, ist es verwunderlich, dass noch nicht mehr Unternehmen die Chancen der digitalen Vernetzung hierfür nutzen“, so Bertschek.

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Prof. Dr. Irene Bertschek, Telefon 0621/1235-178, E-Mail bertschek@zew.de