Wenn Unternehmen Probleme dabei haben, ihre offenen Stellen mit den nötigen Fachkräften zu besetzen, kann das die gesamtwirtschaftliche Entwicklung erheblich treffen. Die wirtschaftlichen Folgen der Engpässe hängen dabei in hohem Maße davon ab, wie betroffene Betriebe auf diese Engpässe reagieren. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigt zwar, dass die große Mehrheit der Betriebe in Deutschland nach wie vor in der Lage ist, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Doch gibt es einige Betriebe, die zunehmende Schwierigkeiten bei der Fachkräfterekrutierung haben.

Ab dem Jahr 2010 zeichnet sich ein Trend ab, vermehrt die Beschäftigung von älteren Arbeitskräften zu unterstützen.
Ab dem Jahr 2010 zeichnet sich ein Trend ab, vermehrt die Beschäftigung von älteren Arbeitskräften zu unterstützen.

Die ZEW-Studie geht unter anderem der Frage nach, ob diese Betriebe versuchen, als Arbeitgeber attraktiver zu werden und bereit sind, bei Neueinstellungen höhere Löhne zu zahlen oder auf Qualifikationen zu verzichten. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Betriebe mit Fachkräfteengpässen vor allem vermehrt auf Fördermaßnahmen für ältere Arbeitnehmer/innen zurückgegriffen haben, während die Förderung von Chancengleichheit, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Aus- und Weiterbildung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auch im Hinblick auf das Rekrutierungsverhalten zeigen sich Anpassungen.

Anhand repräsentativer Daten für Deutschland haben die ZEW-Wissenschaftler/innen für die Jahre 2002 bis 2014 das Aus- und Weiterbildungsangebot, Maßnahmen zur Förderung von älteren Beschäftigten inklusive der Gesundheitsförderung sowie Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit und die Rekrutierungsstrategien von hiesigen Betrieben untersucht. Zwar zeigen verschiedene Indikatoren, dass es für Betriebe im Gefolge der wirtschaftlichen Erholung ab Mitte der 2000er Jahre schwieriger geworden ist, freie Stellen zu besetzen. „Doch hat sich dieser Trend in den frühen 2010er Jahren nicht fortgesetzt, das heißt die Schwierigkeiten haben nicht noch weiter zugenommen“, sagt Dr. Daniel Arnold, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung“ sowie Mitautor der Studie. Der jüngste Anstieg der Zuwanderung in Deutschland ist dabei nicht mit in die Untersuchung eingeflossen.

Förderungspotenzial älterer Arbeitskräfte ist noch nicht ausgeschöpft

Weiter deuten die empirischen Ergebnisse der Analyse darauf hin, dass Betriebe mit Fachkräfteengpässen sowohl bestimmte Personalpraktiken verstärkt nutzen als auch ihr Rekrutierungsverhalten anpassen. „Mit Blick auf das Personalmanagement zeichnet sich ab dem Jahr 2010 ein Trend ab, vermehrt die Beschäftigung von älteren Arbeitskräften zu unterstützen“, sagt Daniel Arnold. Allerdings sind Maßnahmen wie die Einrichtung altersgemischter Teams und reduzierte Leistungsanforderungen für Ältere noch nicht weit verbreitet. „Hier gibt es noch erhebliches Potenzial“, so Arnold. Bei der Förderung von Chancengleichheit stellen die Wissenschaftler/innen fest, dass in Betrieben ab dem Jahr 2010 mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung zu verzeichnen ist. Kaum belegbar ist, dass Betriebe mit Fachkräfteengpässen verstärkt ihre Belegschaften weiterbilden oder mehr Auszubildende einstellen.

Darüber hinaus sind Betriebe, in denen die Neubesetzung von Stellen längere Zeit in Anspruch nimmt, nach eigenen Angaben aus den Jahren 2012 und 2013 häufiger dazu bereit, höhere Löhne zu zahlen oder niedrigere Anforderungen an die Qualifikation von Bewerber/innen zu stellen. „Vor allem bei der Rekrutierung von Hochqualifizierten scheint es gewisse Unterschiede zwischen Groß- und Kleinbetrieben zu geben“, erklärt Arnold. Während Großbetriebe und Betriebe des produzierenden Gewerbes mit Engpässen höhere Löhne für Hochqualifizierte zahlen, stellen Kleinbetriebe mit Engpässen tendenziell weniger Hochqualifizierte ein.

Geringes Investition- und Innovationsverhalten bei Fachkräfteengpass

Schließlich hält die Studie fest, dass sich in Kleinbetrieben mit Fachkräfteengpässen und im Dienstleistungssektor geringere Investitionen nachweisen lassen. Neben dem Investitionsverhalten sind auch Innovationen betroffen: Während Kleinbetriebe mit Engpasserwartungen weniger Prozessinnovationen durchführen, werden im produzierenden Gewerbe bei Engpässen weniger neue Produkte entwickelt. „Da es sowohl bei Hochqualifizierten als auch bei der Besetzung von Ausbildungsstellen Hinweise auf Rekrutierungsschwierigkeiten gibt, sollten berufliche und akademische Bildung nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wichtig ist es vielmehr, das gesamte Potenzial auszuschöpfen und in der Breite die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger sicher zu stellen, ohne dabei die akademische Bildung zu vernachlässigen“, schlussfolgert Arnold.

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Dr. Daniel Arnold, Telefon 0621/1235-287, E-Mail daniel.arnold@zew.de

 

 

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