Unter den Schlagwörtern „Crowdwork“ und „Gig-Economy“ steht derzeit die Arbeit auf Internetplattformen in der öffentlichen Diskussion. Beispiele sind die Personenbeförderung durch den Fahrdienst-Vermittler Uber oder auch das Beschriften von Bildern auf Plattformen wie Amazon Mechanical Turk. Die Verbreitung solcher Formen der Erwerbsarbeit, die über Internetplattformen vermittelt und teilweise dort auch direkt geleistet wird, ist allerdings zurzeit noch äußerst gering. Auf Basis bestehender Forschungsergebnisse kann zudem noch schwer eingeschätzt werden, ob die Chancen oder die Risiken der plattformbasierten Erwerbsarbeit überwiegen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Die Arbeit auf Internetplattformen steht derzeit unter den Schlagwörtern „Crowdwork“ und „Gig-Economy“ in der öffentlichen Diskussion.
Die Arbeit auf Internetplattformen steht derzeit unter den Schlagwörtern „Crowdwork“ und „Gig-Economy“ in der öffentlichen Diskussion.

Für die Studie werteten die ZEW-Wissenschaftler die Ergebnisse von mehr als 100 deutschen und internationalen Forschungsarbeiten aus, um den aktuellen Kenntnisstand zum Thema plattformbasierte Erwerbsarbeit zu erfassen. Neben deren Verbreitung und den Arbeitsbedingungen befasst sich die Studie auch mit methodischen Aspekten, um den derzeitigen Forschungsstand bewerten zu können.

„Die Mehrzahl der Studien in den USA und Deutschland deutet darauf hin, dass aktuell weniger als ein Prozent der Erwerbstätigen über Internetplattformen arbeiten“, erklärt Dr. Michael Maier, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung“ und Mitautor der Studie. Zudem zeigt sich anhand der Forschungsergebnisse, dass Erwerbstätige meist nur gelegentlich über Internetplattformen Arbeitsleistungen anbieten und diese dementsprechend auch nicht die primäre Einkommensquelle darstellen. Aus mehreren Forschungsarbeiten ergibt sich, dass einige Erwerbstätige häufiger online arbeiten möchten. Bewertungssysteme erschweren den Einstieg von Neulingen auf manchen Plattformen allerdings, da etablierte Erwerbstätige von den Auftraggebern bevorzugt werden.

Umfassende öffentliche Datenquellen zu Crowdworking sind noch rar gesät

Erwerbstätige auf Internetplattformen unterscheiden sich von der allgemeinen Erwerbsbevölkerung: Sie sind vergleichsweise jung, besitzen ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau und sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit arbeitslos. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand schwankt die durchschnittliche Entlohnung für Plattformarbeit beträchtlich. Dies hängt auch mit den unterschiedlichen Tätigkeiten zusammen, die von sehr einfachen, in Sekunden zu erledigenden Aufgaben bis hin zu komplexen Design- und IT-Projekten reichen. Daneben gibt es aktuell eine wissenschaftliche Diskussion darüber, ob eine größere Flexibilität plattformbasierter Arbeit deren Risiken überwiegt. „Die Erwerbstätigen sind quasi selbstständig tätig, da sie bei den Plattformen nicht angestellt sind, und stehen teilweise in einem globalen Wettbewerb um Arbeitsaufträge. Die selbständige Tätigkeit bietet allerdings auch die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten, was beispielsweise die Tageszeit, den Wochentag oder auch teilweise den Ort angeht“, kommentiert Michael Maier.

Die Auswertung der ZEW-Wissenschaftler zeigt auch, dass die untersuchten Forschungsarbeiten eine Vielzahl von unterschiedlichen Datensätzen und Auswertungsansätzen verwenden. Dadurch muss der derzeitige Kenntnisstand über Arbeit auf Internetplattformen noch als fragmentiert bezeichnet werden. Dies gründet vor allem darauf, dass bis jetzt nur wenige Informationen zu plattformbasierter Erwerbsarbeit in umfassenden öffentlichen Datenquellen vorhanden sind. Viele Forschungsarbeiten greifen daher auf Daten eines einzelnen Plattformbetreibers zurück, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert. Zudem kann mit dem Zugang zu diesen Daten, der üblicherweise mit dem Einverständnis des Plattformbetreibers erfolgt, unter Umständen die Bedingung verknüpft sein, dass nur Ergebnisse, die mit den Interessen des Plattformbetreibers übereinstimmen, publiziert werden.

Für Rückfragen zum Inhalt

Dr. Michael F. Maier, Telefon 0621/1235-307, E-Mail michaelf.maier@zew.de

Datum

14.12.2017

Kategorie
  • Forschung

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