Im Rahmen der Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiativen von Südwestmetall wurden spezifische Bildungsprogramme durchgeführt, um benachteiligten Jugendlichen zu helfen. Bei den Programmen handelte es sich um die Berufsvorbereitung in Kooperationsklassen (BiK), den Grundlehrgang Metall (GL) sowie die Verbundausbildung in der Metall- und Elektroindustrie (VME). Ziel war es, die Jugendlichen bei der beruflichen Integration zu unterstützen und die Fachkräftesituation der Unternehmen des Verbandes zu verbessern.

In einer Kooperation zwischen Südwestmetall, einschließlich seiner Bildungseinrichtungen, und dem ZEW Mannheim wurde eine Begleitforschung durchgeführt. Die Begleitforschung war Teil des internationalen ZEW Leibniznetzwerks „Nicht-kognitive Fähigkeiten: Erwerb und ökonomische Konsequenzen“. Im Rahmen der Begleitforschung wurde eine Erhebung bei den Jugendlichen durchgeführt, mit dem Ziel, mehr über die Selbstkontrolle der Jugendlichen und ihren sozio-ökonomischen Hintergrund zu erfahren. Die Selbstkontrolle gilt als wichtige Grundlage für den Schul- und Arbeitsmarkterfolg und wurde mit zwei Messkonzepten erfasst. Im Rahmen der Kooperation wurde einmalig im Frühjahr 2008 während der Durchführung der Maßnahme eine Erhebung mit einem schriftlichen Fragebogen durchgeführt.

Am ZEW konnten 1.279 Fragebögen für die weiteren Untersuchungen ausgewertet werden. Darunter waren 354 Jugendliche, die an BiK teilgenommen haben, 77 GL-Teilnehmer und 848 VME-Teilnehmer. Während die Rücklaufquote bei fast 95 % lag, gibt es einen Informationsverlust durch unbeantwortete Einzelfragen. An den GL und VME Programmen nahmen fast ausschließlich männliche Jugendliche teil. Im Programm BiK betrug der Anteil der Teilnehmerinnen 36 %. Im Mittel waren die BiK-Teilnehmenden 17, die GL-Teilnehmenden 18 und die VME-Teilnehmenden 19 Jahre alt. 69 % der Teilnehmer hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Es gab eine beachtliche Heterogenität hinsichtlich der familiären Umgebung und der Kommunikation mit den Eltern. Beispielsweise gaben etwa 29 % der Teilnehmenden in BiK an, dass ihre Eltern selten einfach so mit ihnen reden. Weiterhin gaben insgesamt 27 % der Teilnehmenden an, dass innerhalb der Familie überwiegend oder ausschließlich die Sprache des Herkunftslandes gesprochen wurde. 29 % (88 %) der BiK-(GL-)Teilnehmenden gaben an, dass sie „sicher“ oder „wahrscheinlich“ einen Beruf in der Metall- und Elektroindustrie ergreifen wollen.

Die Selbstkontrolle der Teilnehmer (gemessen mit der Rotter-Skala) war im Durchschnitt am höchsten bei den Jugendlichen, die an VME teilgenommen haben, gefolgt von den Jugendlichen im GL Programm und am niedrigsten bei den Jugendlichen in BiK. Die Selbstkontrolle war höher bei Jugendlichen, die bessere Deutschnoten im letzten Schulzeugnis hatten, die regelmäßig Kontakt mit ihren Eltern haben und die in den ersten 15 Lebensjahren mit beiden Eltern aufwuchsen. Dieses Ergebnis zeigt die Bedeutung der familiären Herkunft für die Kompetenzentwicklung. Als eine Zielgröße des Programms gilt eine erfolgreiche Vermittlung nach Abschluss des Programms. Dieser (Brutto-)Zielerreichungsgrad betrug für alle Programme zusammengenommen 70 % (45 % bei den Teilnehmenden in BiK, 88 % bei GL und 84 % bei VME). Im VME Programm haben die Teilnehmenden, die bereits während des Programms bei einem Betrieb beschäftigt waren, im Vergleich zu den übrigen Teilnehmenden eine um etwa 20 % höhere Wahrscheinlichkeit vermittelt zu werden. Im Vergleich zu Programmen für benachteiligte Jugendliche in anderen Regionen Deutschlands oder mit anderen Projektträgern erwiesen sich die (Brutto-) Zielerreichungsgrade der hier untersuchten Programme BiK, GL und VME als relativ hoch. Eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Frage, ob die relativ hohe Bruttoerfolgsquote auf einer in unseren Daten nicht beobachteten Selektion der Jugendlichen in die Programme oder ursächlich auf die Aktivität der Programme zurückzuführen ist, ist mit den vorhandenen Daten noch nicht möglich.

Jedoch zeigte sich, dass die mit der Rotter-Skala gemessene Selbstkontrolle die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht. Jeder zusätzliche Punkt auf der Rotter-Skala erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit um etwa 1 %. Ferner scheinen einige der erfassten Informationen (Anzahl der Geschwister, Engagement der Eltern) die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Vermittlung zu beeinflussen, andere nicht (Geschlecht, Bücher im Haushalt). Zwar werden Jugendliche mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Jugendlichen ohne Migrationshintergrund seltener erfolgreich vermittelt. Sind jedoch gute Kenntnisse der deutschen Sprache vorhanden, schrumpft der Unterschied deutlich. Demnach scheint nicht der Migrationshintergrund an sich ein signifikantes Vermittlungshemmnis zu sein, sondern ein Mangel an Kenntnissen der deutschen Sprache.

Teilnehmer der Programme BiK und GL, die bereits eine feste Berufsvorstellung äußern, haben etwa eine um eine um ein Drittel höhere Erfolgswahrscheinlichkeit. Wenn dieser Berufswunsch zudem im M&E-Bereich liegt, so erhöht dies die Erfolgswahrscheinlichkeit zusätzlich. Jugendliche, die klare berufliche Ziele und Vorstellungen haben, sind somit erfolgreicher als Jugendliche, die noch keine klaren beruflichen Ziele entwickelt haben. Benachteiligte Jugendliche tun sich schwerer, klare Berufsziele zu formulieren als nicht benachteiligte Jugendliche. Damit legt die Studie nahe, benachteiligte Jugendliche möglichst bei der Suche nach einem klaren Berufsziel zu unterstützen und darüberhinaus frühzeitig deren nichtkognitive Fähigkeiten zu verbessern. Eine solche Förderstrategie kann dann auch dazu beitragen, dem absehbaren Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

Ausgewählte Publikationen