Der Verband der Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg, Südwestmetall, bietet seinen Mitgliedsunternehmen im Rahmen eines Modellprojekts eine sozialpädagogische Be-gleitung von benachteiligten Jugendliche in anspruchsvollen Ausbildungsberufen in der Metall- und Elektroindustrie an. Im Auftrag von Südwestmetall hat das ZEW das Pilotprojet wissenschaftlich evaluiert.

Südwestmetall hat im Rahmen seiner Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen das Pilotprojekt „M+E-Einstieg“ initiiert. Im Rahmen dieses von 2010 bis 2015 angelegten Projektes werden benachteiligte Jugendliche zunächst beim Übergang von der Schule in den Betrieb begleitet. Schließlich soll die Ausbildung im Betrieb gefestigt werden, indem Sozialpädagogen in jeder der dreizehn Bezirksgruppe des Verbandes bis zu fünfzehn Jugendlichen während des ersten Ausbildungsjahres betreuen. Sie trainieren beispielsweise Schlüsselqualifikationen und organisieren bei Bedarf Förderunterricht.

Mit Hilfe der Unterstützung der Sozialpädagogen sollen die Unternehmen Erfahrungen sammeln, benachteiligte Jugendliche in anspruchsvolle Ausbildungsberufe der Metall- und Elektroindustrie (M+E-Berufe) zu integrieren. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen soll das Pilotprojekt zudem den Unternehmen des Verbandes bei ihren Bemühungen helfen, Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken. Als benachteiligt gelten im Projekt insbesondere Jugendliche, die von ihren kognitiven Fähigkeiten eine Ausbildung in M+E Berufen absolvieren können, jedoch aufgrund eines Mangels an nichtkognitiven Fähigkeiten oder einer unzureichenden familiären Unterstützung wahrscheinlich keinen Ausbildungsplatz erhalten hätten oder die Ausbildung nicht aus eigener Kraft schaffen würden. Dabei geht das Pilotprojekt davon aus, dass die benötigten Kompetenzen durch die individuelle sozialpädagogische Begleitung aufgebaut werden können.

Die wissenschaftliche Begleitforschung des ZEW basiert auf mikroökonometrischen Analysen mit den Daten der Ausbildungsplatzumfrage des Verbandes 2010 bis 2013 und ergänzenden teilstrukturierten Interviews mit Ausbildungsleitern, Personalverantwortlichen und Sozialpädagogen. Im Rahmen der Begleitforschung untersuchte das ZEW insbesondere, ob das Pilotprojekt bestehende Probleme bei der Nachwuchsgewinnung der Unternehmen verringert und die Ausbilder in den Unternehmen entlastet hat. Mit den ergänzenden Informationen aus den Interviews wurden zudem inhaltliche Wirkmechanismen erforscht.

Die Analysen des ZEW zeigen, dass das Pilotprojekt einen Beitrag zur Erreichung einiger, aber nicht aller Ziele leistet. Zunächst kann kein kausaler Effekt des Pilotprojektes zur Minderung von betrieblichen Nachwuchsproblemen in den teilnehmenden Unternehmen nachgewiesen werden. Jedoch stellte sich heraus, dass am Pilotprojekt teilnehmende  Unternehmen häufiger auch weitere Maßnahmen zum Ausbildungsmarketing, beispielsweise intensive Kontakte zu Schulen, in die Wege geleitet haben. Diese Maßnahmenbündel zusammen tragen im Beobachtungszeitraum kausal zu einer signifikanten Senkung der Nachwuchsschwierigkeiten bei. Der wesentliche Beweggrund für die Unternehmen, intensive Kontakte zu den Schulen aufzubauen, ist die Aussicht auf geeignete Bewerber für einen Ausbildungsplatz. Im Zeitraum der Untersuchung haben viele Unternehmen ihre Ausbildungs- und Rekrutierungsaktivitäten verstärkt, und unter anderem Schulen im Technikunterricht oder bei Berufsinformationsveranstaltungen unterstützt.

Fast alle am Pilotprojekt „M+E-Einstieg“ teilnehmenden Jugendlichen konnten ihre Ausbildung abschließen und wurden von den ausbildenden Betrieben übernommen. Zudem deuten die Resultate darauf hin, dass die Unternehmen bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher entlastet werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Benachteiligungen durch eine individuelle sozialpädagogische Betreuung kompensiert werden können. Benachteiligte Jugendliche können auch in anspruchsvollen Berufen ausgebildet werden.

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