Inhalt dieses Projektes ist eine wettbewerbspolitische und rechtliche Betrachtung des Wettbewerbs. Durch die relativ stabile Marktstruktur mit wenigen Markteintritten und die Beziehungen zu gemeinsamen Zulieferern und Finanzinstituten stehen Automobilhersteller wiederholt und auf mehreren Märkten im Wettbewerb oder in einer Kooperationsbeziehung. Daraus ergibt sich ein Potenzial für eine missbräuchliche Ausnutzung von Marktmacht durch implizite Kollusion. Solches Verhalten zu erkennen, erfordert spezifische Kenntnisse über den Automobilmarkt als auch die Beherrschung ökonometrischer Methoden.

Der Forschungsbereich Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung hat bisher einige Studien erstellt, die den Automobilmarkt zum Thema hatten. Hieraus bestehen Kenntnisse zur Funktionsweise des Automobilmarktes mit den institutionellen Gegebenheiten, Beziehungen zu Zulieferern und der aktuellen rechtlichen Regelung zum Vertriebssystem innerhalb Europas. Das ZEW verfügt über die für die beabsichtigten Untersuchungen erforderlichen Daten und die ökonometrischen Methoden im Bereich der Discrete Choice Analyse sowie der strukturellen Modellierung von Nachfragesystemen.

Die wirtschaftspolitische Relevanz dieses Forschungsprojektes zeigt sich beispielsweise an der Freistellungsverordnung für den Vertrieb im Automobilsektor, deren Auswirkungen auf den Automobilmarkt untersucht werden. Die Berücksichtigung der Verflechtungsstruktur mit und unter Zulieferern fällt in den Bereich vertikaler Zusammenschlüsse. Nicht zuletzt dient ein so gewonnenes Verständnis über die Funktionsweise des Automobilmarktes dazu, bei Fusionsentscheidungen eine umfassende Beurteilung vornehmen zu können. Dies verbessert die Möglichkeit, politökonomischen Entscheidungen ökonomische Argumente gegenüberzustellen.

Außerdem wird in diesem Projekt die mögliche Einführung einer Regulierung im europäischen Automobilsektor behandelt, deren Ziel die Reduktion der CO2-Emissionen von Neuwagen ist. Die möglichen Wettbewerbseffekte dieser Regulierung sowie die Auswirkung auf die Konsumentenwohlfahrt werden untersucht.

Dieses Projekt wird im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Graduiertenprogramm der Universität Mannheim durchgeführt.