Die Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise rührt unter anderem daher, dass keine geordneten Verfahren für die Abwicklung einer staatlichen Zahlungsunfähigkeit bestehen. Zwar hat es immer wieder Anläufe gegeben, wohl definierte Verfahren zu entwickeln. Diese haben aber bis heute nicht zu klar geregelten Prozeduren geführt.Die europäische Schuldenkrise wirft diese Frage nun mit allem Nachdruck neu auf. Der langsame und mit hohen Transaktionskosten verbundene Weg zu einer Umschuldung der griechischen Staatsschulden macht deutlich, wie unbefriedigend die Verfahrensunsicherheit ist. Gleichzeitig hat das Beispiel Griechenland deutlich gemacht, wie komplex die Fragestellung hinsichtlich der Banken- und Systemstabilität und der möglichen Ansteckungs-Effekte auf den gesamten Markt für Staatsanleihen ist.   Im Rahmen der Vereinbarung über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ist die Frage eines wohl definierten Insolvenzverfahrens weitgehend ignoriert worden. Immerhin ist vereinbart, dass die Euro-Staaten ihre Staatsanleihen mit Laufzeiten über einem Jahr künftig mit standardisierten Collective Action Clauses (CAC) ausstatten. CACs alleine sind aber nur ein Element eines berechenbaren und glaubwürdigen Insolvenzverfahrens.   Vor diesem Hintergrund verfolgt dieses Forschungsprojekt das Ziel, einen empirischen Beitrag zur Entwicklung geeigneter staatlicher Insolvenzsysteme zu erarbeiten und auf dieser Basis Schlussfolgerungen über mögliche Merkmale eines europäischen Insolvenzverfahrens abzuleiten. Es gibt zahlreiche Studien zu Umschuldungsverfahren, die sich auf juristische Probleme, institutionenökonomische oder spieltheoretische Fragestellungen konzentrieren. Es gibt allerdings kaum empirische Arbeiten, die die ökonomischen Auswirkungen unterschiedlicher Umschuldungskonzepte untersuchen.   Dieses Projekt besteht aus zwei Modulen: Einerseits die Betrachtung der kürzeren Frist, andererseits die Betrachtung der Langen Frist. Im Kern haben beide empirischen Module das Ziel, aus den Charakteristika von früheren Umschuldungen Schlussfolgerungen zu ziehen, welche Merkmale einer Umschuldung deren Ergebnis prägen. Das Ergebnis kann sich dabei je nach Datenverfügbarkeit beziehen auf:  Ausmaß der Schuldenverringerung, realwirtschaftliche Folgen, Folgen für Finanzmärkte und Finanzstabilität, Wechselwirkungen der Finanzmärkte verschiedener Länder, Dauer bis zur Rückkehr des Schuldners an den Kapitalmarkt und Konditionen der Rückkehr an den Kapitalmarkt.