In dem Projekt wurden Investitionen in kognitive und nicht-kognitive Fähigkeiten und die daraus resultierenden heterogenen Bildungsrenditen mit Hilfe von Lebenszyklusmodellen analysiert. Die Heterogenität von Bildungsrenditen wird als Folge der Interaktion von neurobiologischen und sozioökonomischen Faktoren im Laufe der Fähigkeitsentwicklung modelliert. Unser Beitrag zur Literatur ist die Erweiterung der Technologie des Erwerbs von Fähigkeiten von Cunha und Heckman (2007), American Economic Review, über den gesamten Lebenszyklus. Wir modellieren den altersabhängigen Erwerb und den Verlust von Fähigkeiten. Das Lebenszyklusmodell wird PISA- und Lohndaten aus Deutschland und mit psycholgischen Langzeitstudien zur Entwicklung der Intelligenz und der Selbstdisziplin kalibriert. Unsere Studien zeigen erstmals die quantitative Bedeutung der frühen Kindheit für die Humankapitalentwicklung und die Bildungsrenditen auf.Unsere Ergebnisse geben Hinweise für familiäre und staatliche Strategien zur Förderung der Humankapitalbildung. Falls eine Gesellschaft die Summe des Humankapitals ihrer Mitglieder maximieren will, sollten demnach knappe Ressourcen in besonders begabte Schüler aus einem bildungsförderlichem Umfeld investiert werden. Falls das Ziel dagegen darin besteht, den relativen individuellen Nutzenzuwachs zu maximieren und die Ungleichheit der Fähigkeiten überwiegend eine Folge der Ungleichheit des Familienhintergrunds ist, sollten knappe Ressourcen eher in benachteiligte Schüler fließen. Ist die Ungleichheit von Fähigkeiten im Vergleich dazu überwiegend eine Folge von Begabung, die unabhängig vom sozio-ökonomischen Familienhintergrund variiert, sollten in der Regel die begabtesten Schüler gefördert werden. Desweiteren konnte gezeigt werden, dass die Anreize zur Weiterbildung im Erwachsenenalter (im Erwerbsleben) mit der Ungleichheit der Arbeitsverdienste zunehmen.In einer Erweiterung des Grundmodells wurden intra- und intergenerationale Umverteilungseffekte im System der bundesdeutschen Alterssicherung und unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung (Alterung) bis zum Jahre 2080 untersucht. Falls es das Ziel der Politik ist, die Ungleichheit des Lebenseinkommens in einer Generation zu verringern, sind im Modell der altersabhängigen Fähigkeitsentwicklung bis zum Alter von 18 Jahren kompensierende Bildungsinvestitionen, im Alter danach Transferleistungen aus ökonomischer Sicht die richtige Wahl. Bildungsinvestitionen im Vorschulalter lassen aufgrund des Fähigkeitenmultiplikators der Kindheit die größten Erträge, gemessen am Lebenseinkommen, erwarten. In der intergenerationalen Dimension könnten nach unseren Berechnungen von im Jahre 2008 eingeführten steuerfinanzierten Bildungsinvestitionen im Vorschulalter bereits die Geburtsjahrgänge ab 1975 in Form einer Zunahme ihres Lebenseinkommens profitieren. Diese Bildungsinvestitionen können langfristig das Wachstumswachstum am stärksten befördern.

Ausgewählte Publikationen

Monographien, Beiträge in Sammelbänden

Pfeiffer, Friedhelm und Karsten Reuß (2008), Ungleichheit und die differentiellen Erträge frühkindlicher Bildungsinvestitionen im Lebenszyklus , in: T. Apolte und A. Funcke Frühkindliche Bildung und Betreuung - Reformen aus ökonomischer, pädagogischer und psychologischer Perspektive, Nomos, Baden-Baden, 25-34.

Pfeiffer, Friedhelm und Karsten Reuß (2008), Fähigkeiten und Mobilität – Ökonomische Konsequenzen für das Humankapital in Ostdeutschland, in: K. Friedrich und A. Schultz Brain drain oder brain circulation? Konsequenzen und Perspektiven der Ost-West-Migration, forum ifl, LLL:citation.label.volume 8 43-50.