Die Welle von Unternehmenszusammenschlüssen in den neunziger Jahren hat das Interesse an ökonomischen Analysen der Konsequenzen von Marktmacht erneut belebt. Grundlage der traditionellen ökonomischen Analyse sind häufig einfache mikrotheoretische Modelle, die dazu dienen, Eingriffsschwellen zu definieren, ab denen eine weitere Marktkonzentration für schädlich gehalten wird. Die traditionelle Analyse, die die Diskussion um Unternehmenskonzentration und Unternehmenszusammenschlüsse noch weitgehend dominiert, wird jedoch immer häufiger durch ökonometrische Modelle und auf diesen ökonometrischen Modellen aufbauende Simulationen ergänzt, um die kurz- und langfristigen Folgen weiterer Unternehmenskonzentration, z.B. durch Unternehmenszusammenschlüsse, zu quantifizieren. So wurde der versuchte Zusammenschluss der beiden LKW-Hersteller Volvo und Scania im Jahr 2000 von der Europäischen Kommission mit Hilfe eines relativ einfachen empirischen Modells analysiert (und abgelehnt). Aus der Tatsache, dass (i) anspruchsvolle mikroökonometrische Modelle - ausgehend von den USA - an Bedeutung in der wettbewerbspolitischen Analyse gewinnen und (ii) die europäische Wettbewerbsbehörde dem ökonomischen Ansatz positiv gegenübersteht, resultieren sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus wirtschaftspolitischer Sicht vielversprechende Perspektiven für eine Weiterentwicklung mikroökonometrischer Modelle zur Analyse und Beurteilung des Wettbewerbs auf Märkten mit heterogenen Produkten.Dieses Forschungsprojekt beinhaltet zwei Stoßrichtungen: In einem ersten Schritt werden bestehende mikroökonometrische Verfahren zur Analyse des Wettbewerbs auf Märkten mit heterogenen Produkten angewandt werden. Bislang wurden die neueren empirischen Konzepte in Deutschland kaum aufgegriffen. Daher dient dieses Projekt auch dazu, Kompetenzen aufzubauen und nach außen Kompetenzsignale zu senden.Moderne Verfahren zur Untersuchung des Wettbewerbs und zunehmender Unternehmenskonzentration (beispielsweise durch Unternehmenszusammenschlüsse) beruhen auf Modellen zur Analyse differenzierter Produktmärkte. Gegenüber klassischen Modellen zur Beurteilung der Auswirkungen weiterer Unternehmenskonzentration hat dieser Ansatz zwei Vorteile. Zum einen geht er von heterogenen, also im Hinblick auf Qualität und Preis differenzierten Produkten aus. Zum anderen lassen sich aus Oligopolmodellen strukturelle Schätzgleichungen ableiten; die Parameter dieser Modelle, z.B. die Eigen- und Kreuzpreiselastizitäten, können damit empirisch identifiziert werden. Liegen die Parameterwerte für ein Nachfragesystem vor, so können Voraussagen über die Effekte der Unternehmenszusammenschlüsse auf Preise und Unternehmensgewinne getroffen werden, wobei komplexe und kompliziertere Modelle auch genauere Aussagen über das potentielle Substitutionsverhalten von Verbrauchern treffen können als die traditionelleren.Die dynamische Effekte der Unternehmenskonzentration bleiben in den genannten Arbeiten außer acht. Bislang liegen lediglich Simulationsstudien zu den langfristigen Effekten einer zunehmenden Unternehmenskonzentration vor. Weitere Defizite bestehender Modelle liegen in der Ausklammerung der Innovationstätigkeit (u.a. FuE-Investitionen) und der Begrenzung von Marktmacht durch Markteintritte. Die Berücksichtigung der Effekte des dynamischen Wettbewerbs bei der Analyse von Unternehmenszusammenschlüssen hat, u.a. wegen der Verfügbarkeit entsprechender Software, in den vergangenen Jahren einige Fortschritte gemacht. Allerdings verwenden bestehende Arbeiten für die Kalibrierung der Modelle bislang keine Parameterwerte (z.B. für die Preiselastizität der Nachfrage, Kreuzpreiselastizitäten, Marktanteile), die der Empirie entnommen sind, sondern setzen willkürliche, gleichwohl jedoch sinnvolle Werte ein.Dieses Projekt untersucht in vier Modulen die folgenden Fragestellungen:1.) Unternehmenskonzentration auf dem deutschen Automobilmarkt und Effekte potentieller Zusammenschlüsse.2.) Analyse des Wettbewerbs im deutschen PC-Markt.3.) Strukturelle Modellierung und Simulation der Effekte potentieller Unternehmenszusammenschlüsse.4.) Effekte von Unternehmenszusammenschlüssen auf Gewinne und Unternehmenswerte.