Die Anzahl der Patentanmeldungen eines Landes gilt als wichtiger Indikator der Erfindungstätigkeit, für die Forschung und Entwicklung (FuE) den bedeutendsten Input liefert. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sind in Deutschland in den neunziger Jahren trotz eines zum Teil erheblichen Rückgangs der FuE-Aufwendungen die Anmeldezahlen stark angestiegen. Die Erklärung dieses Paradoxons wurde auf der Mikroebene analyisiert, d.h. auf der Ebene der Unternehmen. Dazu sind mit einem eigens hierfür entwickelten heuristischen Textsuchalgorithmus zu den Daten des Mannheimer Innovationspanels die Patentanmeldungen deutscher Unternehmen am Europäischen Patentamt und am Deutschen Patent- und Markenamt hinzugespielt worden. Unter Anwendung ökonometrischer Panelzähldatenmodellen wurde untersucht, ob ein zeitstabile Beziehung zwischen Patentanmeldungen und FuE-Input festgestellt werden kann und ob die steigende Zahl von Anmeldungen eher auf eine gestiegen FuE-Produktivität oder eine gestiegen Patentneigung zurückzuführen ist. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass zwar FuE-Produktivität gestiegen, gleichzeitig aber die Patentneigung gesunken ist.