Viele Länder sehen in einer Erhöhung der Investitionen in Bildung, Forschung, Entwicklung und Innovationen eine Möglichkeit das Potentialwachstum zu erhöhen. Als Hintergrund für die Betonung der Innovationspolitik, die wesentlich für die Erweiterung des Wachstumsspielraums ist, kann auf den positiven Zusammenhang von Produktivitätswachstum bzw. Wertschöpfungs- oder Umsatzwachstum und den FuE-Investitionen verwiesen werden und damit auf die Angebotsverbesserung durch FuE-Investitionen. Ein zentrales Merkmal von FuE-Aktivitäten ist jedoch die im Allgemeinen unvollständige Aneigenbarkeit der Erträge aus diesen Tätigkeiten durch das die FuE-Kosten tragende Unternehmen. Von der Innovationstätigkeit profitiert nicht nur das innovierende sondern auch andere Unternehmen in Form von Wissensspillovern. Diese positiven externen Erträge führen dazu, dass die Unternehmen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht „zu wenig“ in FuE investieren, und sie liefern damit ein zentrales Argument für staatliche Förderung der FuE-Tätigkeit der Unternehmen.
Im Rahmen dieses Projektes wurde neben einer umfassenden Analyse zum aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur eine neue Datenbasis geschaffen, auf deren Basis aktuelle Schätzungen von privaten und sozialen Ertragsraten von FuE in deutschen Unternehmen durchgeführt wurden. Ausgangspunkt der empirischen Analyse stellen die Unternehmensdaten der FuE-Erhebung des Stifterverbands dar, die durch ausgewählte Daten aus den ZEW-Unternehmensdatenbanken (Amadeus, EPO) sowie Daten des Statistischen Bundesamtes ergänzt wurden.

Die Ergebnisse der empirischen Untersuchungen bestätigen weitestgehend die Existenz hoher privater Erträge und sozialer Zusatzerträge durch FuE. So erzielen Unternehmen durch eigene FuE-Tätigkeit einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung ihrer Produktivität. Die private Outputelastizität lag im Zeitraum 1991-2005 bei rund 0.08-0.09. D.h. eine Erhöhung des eigenen FuE-Kapitalstocks um 10% ist mit einen Anstieg der Arbeitsproduktivität in zwei Jahren um knapp 0.9% verbunden gewesen. Anders lässt sich dies auch wie folgt ausdrücken: Steigert ein Unternehmen durch eigene FuE-Tätigkeit seinen internen Wissenskapitalstock um einen Euro, resultiert daraus eine Produktionssteigerung von durchschnittlich 0.41 Euro bzw. von 41% auf den eingesetzten Euro. Die unmittelbaren „Rückflüsse“ der in FuE investierten Mittel in Form von Umsatzsteigerungen oder Kostensenkungen sind damit ausgesprochen hoch, denn sowohl die private Outputelastizität als auch die private Ertragsrate liegen am oberen Bereich der in der Literatur üblicherweise genannten Spannweite. Im Zeitablauf haben die privaten Erträge aus eigener FuE-Tätigkeit im Zeitraum 1991-2005 gegenüber dem Vergleichszeitraum von 1977-1989 leicht zugenommen.
FuE-Aktivitäten sind darüber hinaus mit sozialen Zusatzerträgen verbunden, die ähnlich hoch sind wie die direkten Erträge. Die soziale Outputelastizität liegt je nach Schätzung zwischen 0.017 und 0.029. Dieser Effekt erscheint auf den ersten Blick vergleichsweise klein, jedoch müssen für eine Abschätzung der sozialen Zusatzerträge auf gesamtwirtschaftlicher Ebene die Produktivitätseffekte, die ein zusätzlicher Euro FuE eines Unternehmens bei allen anderen Unternehmen erzielt, aufsummiert werden. Danach ergäben sich - je nach Annahme über die Gesamtzahl forschender Unternehmen – soziale Zusatzerträge in Höhe von 0.52-0.65. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive übertreffen damit die indirekten die direkten Erträge aus FuE und machen demnach rund 130-150% der privaten Erträge aus.

Die Studie hat darüber hinaus sehr detailliert für einzelne Unternehmensgruppen die Erträge aus FuE untersucht. Nähere Ergebnisse finden Sie in Studien zum deutschen Innovationssystem Nr. 15-2009.

Ausgewählte Publikationen

Discussion Papers und Working Papers

Peters, Bettina, Georg Licht, Dirk Crass und Andreas Kladroba (2009), Soziale Erträge der FuE-Tätigkeit in Deutschland, Studien zum deutschen Innovationssystem 15-2009, Mannheim und Essen. Download