Die Förderung der Gründungstätigkeit wird von politischen Entscheidungsträgern zunehmend als Instrument zur Bekämpfung von Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit genutzt. Es ist jedoch nicht eindeutig, ob solche kurzfristigen politischen Maßnahmen auch langfristige positive Auswirkungen mit sich bringen. Das langfristige Überleben und Wachstum junger Unternehmen hängt entscheidend von den eigenen Fähigkeiten der Gründer und ihren Investitionen in die Humankapitalausstattung ihrer Unternehmen ab. Bislang ist wenig darüber bekannt, wie sich Krisen auf den Aufbau eines Humankapitalstocks in jungen Unternehmen auswirken. Sind Unternehmen, die während einer Krise gegründet werden, vom Start weg benachteiligt? Oder ist es für diese Gründungen aufgrund geringerer Konkurrenz mit etablierten Unternehmen am Arbeitsmarkt einfacher, einen für ihr Unternehmen geeigneten Humankapitalstock aufzubauen?

Um geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovativität einer Volkswirtschaft fördern, ist es überaus wichtig, die Antworten auf diese Fragen zu kennen. Zur Beantwortung werden in diesem Projekt daher zwei eng miteinander verwobene Themen behandelt: (1) Der Einfluss der Krise auf die Zusammensetzung der Gründer in einer Kohorte junger Unternehmen und (2) der Einfluss der Krise auf den Aufbau des Humankapitalstocks in jungen Unternehmen.

Die aktuelle Krise hat süd- und nordeuropäische Volkswirtschaften sehr unterschiedlich getroffen. Um dem Rechnung zu tragen, werden die unterschiedlichen Einflüsse der Krise auf Deutschland und Portugal, als zwei Extrembeispiele, untersucht. Ausgehend von diesen Ergebnissen sollen Rückschlüsse gezogen werden, ob eine schumpeterianische Sichtweise auf die Entwicklung in Südeuropa während der Krise zutreffend ist und ob die Förderung der Gründungstätigkeit eine tragende Rolle spielen kann, um Europa auf einen neuen Wachstumspfad zu führen.