Deutschland zählt zu den Ländern mit niedriger Geburtenrate, insbesondere bei Frauen mit Hochschulbildung. Gleichzeitig sind vergleichsweise wenige Frauen in Vollzeit erwerbstätig. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Lebenszyklusmodells, mit dem sich diese Beobachtungen erklären lassen. Das Modell berücksichtigt die wechselseitige Abhängigkeit von Geburten- und Erwerbsentscheidungen, die je nach Bildungsabschluss unterschiedlich hohen Opportunitätskosten von Erwerbsunterbrechungen, die mögliche Heterogenität in den Präferenzen sowie die Anreize, die vom Steuer-Transfer-System ausgehen. Die Parameter des Modells werden in einem ersten Schritt auf Basis eines neuen administrativen Datensatzes geschätzt; die Schätzung wird mithilfe von Reformen im Steuer-Transfer-System validiert. Anschließend wird das Modell verwendet, um die Wirkungen der Einführung des Elterngeldes im Jahre 2007 zu evaluieren. Der Lebenszyklusansatz erlaubt es, die Wirksamkeit der verschiedenen Komponenten (Anspruchsdauer, Ausgestaltung als Entgeltersatzleistung) separat zu untersuchen und die langfristigen Wirkungen auf die weibliche Erwerbstätigkeit und die Geburtenzahlen zu simulieren. Als weitere Anwendung sind kontrafaktische Simulationen vorgesehen, mit denen die Wirkung zentraler Elemente der französischen und britischen Familien- und Sozialpolitik im deutschen Kontext abgeschätzt werden soll.