In diesem Projekt wird ein natürliches Experiment genutzt, um zu untersuchen, welchen Einfluss die Übertragung von Patentrechten an die Universität auf die Anreize für Hochschulprofessoren hat, Wissen zu produzieren, zu verbreiten und in Form von Unternehmensgründungen zu kommerzialisieren.
Das im Zuge einer Änderung des Arbeitnehmererfindergesetzes im Jahr 2002 abgeschaffte Professorenprivileg ermöglichte Hochschulprofessoren ihre Erfindungen unter ihrem eigenen Namen zu patentieren. Seit 2002 muss nun die Universität als Eigentümer des Patents eingetragen werden. Damit werden die Erlöse aus dem Patents ebenfalls der Universität zugesprochen, die im Gegenzug die Kosten der Patentanmeldung übernimmt.
Da Wissenschaftler an anderen öffentlichen, nicht-universitären Forschungseinrichtungen auch vor 2002 nicht das Recht hatten, Patente auf ihren eigenen Namen anzumelden, waren sie von der Gesetzesänderung nicht betroffen und dienen somit als Kontrollgruppe in dieser Studie.
Wir untersuchen den Einfluss der Gesetzesänderung im Hinblick auf die Anzahl und Qualität der angemeldeten Patente und Publikationen des jeweiligen Forschers, sowie dessen Neigung, ein akademisches Spin-off-Unternehmen zu gründen. Des Weiteren soll die Performance dieser Ausgründungen untersucht werden.
Mit diesem Projekt werden wichtige Problemstellungen der akademischen und politischen Fachliteratur zur „Privatisierung“ wissenschaftlicher Forschung und deren Einfluss auf die Verbreitung von Wissen und den Technologietransfer beantwortet, indem analysiert wird, wie die Ausgestaltung der Patentrechte an Hochschulerfindungen den Zielkonflikt zwischen der Förderung von „Open Science” und “Commercial Science” beeinflusst.